Freude, die zu Herzen geht

Trier · Der Trierer Spee-Chor und drei formidable Solisten haben zusammen mit dem Philharmonischen Orchester der Stadt Trier ein fulminantes Schöpfungsoratorium von Haydn abgeliefert.

Trier Während draußen der kalte Nieselregen plätschert, konzertieren am Samstagabend in der Heiligkreuzer Pfarrkirche die Musiker so, dass dem 400-köpfigen Publikum ganz warm ums Herz wird. Als erstes von fünf großen Konzerten des Friedrich-Spee-Chores steht in 2017 die Schöpfung von Joseph Haydn (1732-1809) auf dem Programm. Ein großes Oratorium, wohl inspiriert von Georg Friedrich Händels (1685-1759) Werken, die Haydn bei seinen Besuchen in London bewundert hatte. Mit der Musiksprache der Wiener Klassik gelingt dem Komponisten mit der Schöpfung ein den großen Oratorien von Bach oder Händel ebenbürtiges Werk, das allerdings von einer Leichtigkeit und kindlichen Freude durchzogen ist, die den barocken Meistern abgeht.
Chorleiter Jan Wilke hat sich neben dem Philharmonischen Orchester der Stadt Trier drei ausgezeichnete Solisten geholt, die ihre umfangreichen Partien glanzvoll meistern, fast mühelos, wie es scheint. Violetta Hellwig (Sopran), Sebastian Hübner (Tenor) und Matthias Horn (Bass-Bariton) erzählen in ihren Rollen als Erzengel die Schöpfungsgeschichte des biblischen Buches Genesis nach, das Libretto wird ergänzt durch Passagen aus John Miltons Paradise Lost, einer epischen englischen Dichtung des 17. Jahrhunderts. Im dritten Teil singen Bass und Sopran die Rollen von Adam und Eva, die eine glückliche erste Zeit im Paradies verbringen. Die Geschichte ist natürlich bekannt, allein die zu Herzen gehende Freude, der Jubel und die Dankbarkeit, die Haydns Werk transportiert, ist außergewöhnlich. So jubiliert der Chor denn auch mit aller Kraft und davon ist reichlich vorhanden.
Dabei bleibt das Klangbild immer sauber, absolute Homogenität ist Trumpf, der Spee-Chor ist im 53. Jahr seines Bestehens in Hochform. Die Trierer Philharmoniker spielen ihre Qualitäten aus, hochklassig, distinguiert, stimmungsvoll; dabei ordnen sie sich mit der gebotenen Contenance zwischen Solisten und Chor perfekt ein. Der junge Dirigent Jan Wilke hält das vieldutzend-köpfige Ensemble hochkonzentriert zusammen, wie ein Fels steht er ruhig in der musikalischen Brandung und hat das Geschehen in jeder der 105 Minuten im Griff. Ergriffen ist auch das Publikum im dezent ausgeleuchteten Kirchenschiff, nach einem kurzen Moment der Entspannung brandet großer Applaus auf.

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