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Freude erhellt den Kirchenraum

Freude erhellt den Kirchenraum

TRIER. Schon seit längerem befindet sich der Friedrich Spee Chor im Aufbruch in die Moderne. Was Chorleiter Martin Folz mit diesem Konzept begonnen hat, gibt den Trierer Musikfreunden oftmals Gelegenheit, Raritären der Chorliteratur kennen zu lernen.

Mancher mag erstaunt gewesen sein, als er auf dem Programm unter dem Stichwort "Wegbereiter" den Namen Ottorino Respighi lesen konnte. Der Programmtitel hatte natürlich eine doppelte Bedeutung. Theologisch bezog er sich auf die Weihnachtszeit, aber der Komponist muss, auch wenn er nur sehr wenige Chorwerke hinterlassen hat, als ein Wegbereiter dieses Genres hin zur modernen Tonsprache angesehen werden. In seiner Kantate "Lauda per la natività del Signore" lässt Respighi deutlich seine große Liebe zu den zu seiner Zeit schon vergangenen Kunstformen erkennen, ohne das Jetzt seiner Umwelt zu verleugnen. Das Ergebnis ist kein Vorwärtsdrängendes, aber ein in die Zukunft gerichtetes Werk, das in seinem Œuvre eine Stellung als Unikat für sich beanspruchen kann.Verschlankte Fassung mit vielen Vorteilen

Was machte nun Folz in der voll besetzten Jesuitenkirche daraus? Zunächst verzichtete er auf die ursprüngliche Instrumentalbesetzung, für die der Komponist sechs Holzbläser, eine Triangel und ein vierhändig besetztes Klavier vorgesehen hatte. Er verwendete die von Respighi autorisierte Version für Chor, Solo und ein Soloklavier. Hier muss schon das erste Kompliment für das Konzert ausgesprochen werden. Ein Klavier in einer Kirche ist immer eine sehr diffizile Angelegenheit, insbesondere in einem Raum wie der Jesuitenkirche. Mit Richard Ufer hatte Folz einen ausgezeichneten Pianisten mit diesem Part betraut, der mit im wahrsten Sinne des Wortes größtem Fingerspitzengefühl seine Aufgabe wahrnahm.Mag man im Vorhinein den Verzicht auf die Instrumente vielleicht als einen zu kritisierenden Punkt angesehen haben, so zeigte die Trierer Aufführung, dass diese verschlankte Fassung durchaus auch ihre positiven Seiten hat. Viel deutlicher konnten die großartigen Chorsätze des Werkes zu Tage treten, ausgeführt von einem glänzend vorbereiteten Chor, der dem bekannt engagierten Dirigat von Folz überaus willig folgte. Es gab viele schöne Chorstellen in dieser Kantate, aber selten hat man einen solch überzeugenden Engelschor das Gloria anstimmen hören, wie in diesem Konzert. Da war kein forcierter Lobgesang, der nun einmal zur Weihnacht dazu gehört, sondern hier erklang eine wirkliche, satte Freude, die den Kirchenraum strahlend erhellte.Viel Romantik - und keine Spur von Kitsch

Äußerst anspruchsvoll hat Respi-ghi die Sopransolopartie gestaltet, für die Eva Leonardy verantwortlich zeichnete. Wie aus dem Nichts gestaltete sie Töne in den höch-sten Höhen, die an Sicherheit und Brillanz nichts zu wünschen übrig ließen. Sie wusste die hohe Qualität auch in den sich anschließenden Weihnachtsliedern von Peter Cornelius beizubehalten, die sie, dem romantischen Stil entsprechend gefühlvoll interpretierte, aber zu keiner Zeit in die Gefahr brachte, eine kitschige Färbung zu bekommen.Nicht ganz so überzeugend war Benjamin Brittens "A ceremony of Carols" für Harfe (gespielt von Regina Israel) und dreistimmigen Chor. Wer sich mit der Chortradition unserer britischen Nachbarn befasst, wird leicht verstehen, dass ein gemischter Chor bei aller Qualität nicht in der Lage ist, das Klangbild eines Knabenchores zu verwirklichen. Aber auch wenn man diesen Umstand vernachlässigt, konnten die Folzschen Ansichten dieses Werkes nicht überzeugen. Dazu gestaltete er das Stück zu nüchtern, zu kühl. Schon die Wahl der schnellen Tempi stand dem Kunstgenuss, wie er bei Respighi zu Tage trat, im Wege. Letztendlich aber konnte das den großartigen Erfolg des Konzertes nicht schmälern, wie der begeisterte Schlussapplaus zeigte.