Freude im Gleichmaß

ECHTERNACH. (gkl) Die Luxemburger "Solistes Européens" zeichnen sich trotz der nationalen Vielfältigkleit durch eine große musikalische Einheit aus. Im Rahmen der Echternacher Festspiele konnte man sich jetzt wieder davon überzeugen.

Was macht die Qualität eines guten Orchesters aus? Natürlich zunächst einmal die Qualität der Musiker und des Dirigenten. Aber da ist noch mehr. Der Zusammenklang des Ensembles ist sehr entscheidend für das Ergebnis. Die Harmonie der einzelnen Register in sich entscheidet oftmals über das Wohl und Wehe eines Klangkörpers. Das Kammerorchester "Solistes Européens, Luxembourg" unter dem Dirigat von Jack Martin Händler ist ein Ensemble, dem man eine große Harmonie in den einzelnen Stimmen und im Gesamtklang bescheinigen muss. Ob Violinen, Bratschen oder in der Bassgruppe, überall herrscht Einigkeit, die Musik ergießt sich in einem gleichmäßigen Fluss. Zu erleben war diese Ebenmäßigkeit beim zweiten Konzert des Echternacher Festivals mit Werken von Benjamin Britten, Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Sebastian Bach und Peter Tschaikowsky. Schon ab den ersten Noten von Brittens "Simple Symphony" war deutlich, dass hier Musiker ein gemeinsames Ziel vor Augen haben. Beschwingt und fröhlich, wie mit der Briefwaage ausgewogen erklang das Opus 4. Ebenso erging es den Zuhörern mit der Streicherserenade in C-Dur, Opus 48, von Tschaikowsky. Ein aussagekräftiges Gesamtbild leuchtete auf. Ein ebenso großer Genuss war Mozarts Klavierkonzert A-Dur, KV 414. Als Solisten hatte man den jungen Luxemburger Pascal Meyer verpflichtet. Er präsentierte einen wunderschönen Anschlag, der für Mozarts Musik geradezu prädestiniert erschien. Eine unnötige Nervosität mag die Treffsicherheit Meyers im ersten Satz beeinträchtigt haben. Dies legte sich aber, je tiefer er in die Musik eintauchte und sich mit ihr und dem Orche-ster im Einklang wusste. Bis dahin also ein lohnender Abend. Bachs Konzert F-Dur, BWV 1053, in der Fassung für Oboe und Streicher, mit Katsuya Watanabe als technisch brillantem Solisten, brachte an den Tag, dass nicht jedes Orchester für jede Musik geeignet ist. Hier ging sie verloren, die Eingangs so gelobte Harmonie. Versuchten manche auf das bei Freunden der authentischen Spielweise so verpönte Vibrato zu verzichten, sahen andere hierzu keine Veranlassung. Was Händler und seine Musiker boten, war bar jeden barocken Affekts, breit, unbeweglich. Doch den positiven Gesamteindruck konnte dies nicht beeinträchtigen.

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