1. Region
  2. Kultur

Frischer Wind, viel Gefühl, musikalische Hochseilakte

Frischer Wind, viel Gefühl, musikalische Hochseilakte

Leidenschaft und musikalische Intelligenz begeisterten beim 1. Sinfoniekonzert im Theater Trier die etwa 600 Zuhörer. Auf dem Programm standen romantische Kompositionen.

Trier. Lieben wir Brahms? Ja klar, Was aber noch schöner ist: Beim 1. Sinfoniekonzert des Philharmonischen Orchesters der Stadt Trier am Donnerstag im Theater konnten wir den romantischen Meister, dessen Person immer ein Hauch Tragik umweht, noch einmal ganz neu kennenlernen.
Und was stellte sich dank Victor Puhl und seinen Musikern heraus? Der Altmeister ist immer noch einer von uns. Soll heißen: Seine Musik ist unverändert in der Lage, uns zu packen. Die 3. Sinfonie des Wahlwieners aus Hamburg stand auf dem Programm.
Kein Brahms zum Kuscheln


Victor Puhl ging das komplexe Werk mit energischem, anfangs sogar hartem Zugriff an. Frisch und herb erklang die Musik. In die Moderne verwiesen die schroffen Bläser im 1. Satz. Keinen Zweifel ließ auch der schlanke bisweilen messerscharfe Geigenton aufkommen: Das war kein Brahms zum Kuscheln - nicht einmal im flehenden berühmten Andante -, sondern ein gewaltiger musikalischer Bildschöpfer, dessen Musik bisweilen wie ein Wasserfall herabstürzte und sich ein andermal beseelt im Klang wiegte.
Denn bei aller erfrischenden Energie und allem Drive, den die Trierer Aufführung hatte, blieb Puhls Dirigat und das Spiel der Musiker scharfsinnig und feinnervig, dazu ausgesprochen dynamisch . Mit Hingabe waren die Musiker am Werk. Transparenz war zudem angesagt. Das Knüpfwerk der Musik, bei der - um im Bild zu bleiben - der vierte Satz am ersten anknüpft, wurde spannend durchhörbar.
Vor Brahms stand ein anderes Werk auf dem Programm, das hinlänglich bekannt, doch immer neu zu entdecken ist: Felix Mendelssohn Bartholdys berühmtes Violinkonzert in e-Moll. Man muss schon stocktrocken oder kalt sein, um bei diesem Konzert nicht in Bewegung zu geraten. Umso mehr, wenn auch die Geigerin noch so hinreißend daherkommt wie die junge Japanerin Sayako Kusaka, die das Orchester als Solistin engagiert hatte. Schwungvoll und mit Leidenschaft begann die Musikerin ihr Spiel. Schlank im Strich, aber mit soviel Schmelz, um zu rühren. Beredt entwickelt sich der schöne Dialog zwischen Bläsern und Geige, nachdenklich und mit spröder Zartheit erklang die Kadenz.
Mutwillige Herausforderung


Geradezu kindlich schlicht legte die betörend singende Geige im Andante ihr Herz offen. Und dann das Finale: ein Bravourstück für alle Virtuosen und natürlich ein Hochgenuss fürs Publikum. Auch ist die zarte Japanerin, von der dennoch eine enorme Energie ausgeht, ganz in ihrem Element. Mutwillig fordert sie das Orchester heraus, atemberaubend zu hören und zu sehen ist ihr Spiel.
Das ist Spitzentanz und Hochseilakt in einem. Das Orchester ist ihr die ganze Zeit ein präsenter Partner und dem hochvirtuosen Spiel ein verlässlicher Grund. Begonnen hatte der Abend vielfarbig mit Richard Strauss\' Tondichtung "Don Juan". Stürmischer Beifall im Haus.