Frisches vom Lamm

LUXEMBURG. Das Schwelgen der Lämmer: Das Musiker-Kollektiv Lambchop um Sänger und Gitarrist Kurt Wagner zeigte im Luxemburger Atelier, warum es sich wieder lohnt, bei Konzerten die Augen zu schließen.

Kurt Wagner hat sein halbes Leben auf Knien verbracht. Das hat ihm den Rücken ruiniert, womöglich auch die Zukunft gerettet. Vor drei Jahren hat der Mittvierziger seinen Job als Bodenverleger aufgegeben und sein Hobby zum Beruf gemacht. Gitarre spielen, komponieren, singen, leiden - das kann man alles auch im Sitzen.Roadmovie im Kopf

Deshalb steht Wagner auch beim Konzert im Luxemburger Atelier nur auf, wenn es sein muss: vor und nach den Zugaben. Sonst sitzt er da inmitten einem Dutzend von Musikern, hält die Akustik-Gitarre im Schoß, singt mit wilder Mimik, wippt mit dem Fuß, und raucht eine nach der anderen. Vielleicht macht sich der Hornbrillen- und Baseballkappen-Träger deshalb auch im letzten Stück vor den Zugaben seine Gedanken über Steve McQueen - der Schauspieler war einer der ersten Prominenten, bei dem man den Lungenkrebs-Tod 1980 mit exzessivem Tabak-Konsum in Verbindung brachte.Mit Streich-Quartett und Melancholie

Wagner vereinigt das Schöne mit dem Morbiden, das Gesternmit dem Morgen. Und die Weite der Musik mit der Enge auf der Bühne: Drei Gitarristen hat Wagner dabei, dazu Bassist, Schlagzeuger, Pianist. Die brillanten Streicherarrangements der beiden neuen Alben "Aw C'mon" und "No You C'Mon" setzt zudem in Luxemburg das polnische "Dafo"-Quartett um. Kurt Wagner - der Besessene, der täglich ein Lied schreibt - bleibt dennoch jederzeit im Zentrum des Geschehens. Bodenständig, erdig, unprätentiös. Das ist Lambchop. Das Musiker-Kollektiv um den kauzigen Sänger mit der vom Kettenrauchen brüchigen, sonoren Stimme, zieht die leisen Töne vor. Wagner singt vom Verlust des Freundes, von Leidenschaft, Liebe und Einsamkeit. Er vertont das Road-Movie im Kopf: In 90 Minuten einmal quer durch Amerika. Wer seine Band Lambchop (Lammkotelett) nennt, wird wohl Humor haben. Auch wenn nach Wagner nach einem verunglückten Witz seines Pianisten gesteht: "In Nashville ist der schlechte Humor zu Hause." Nicht nur das. Kurt Wagner hat auch den Pop der Zukunft in die Heimat der Country-Musik gebracht.