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Froh nach Hause mit dem Wastl

Froh nach Hause mit dem Wastl

TRIER. Er war in Peking und Kapstadt, gastierte in Toronto und Melbourne, und er brachte 245 Millionen Menschen 1988 in der damaligen Sowjetunion per Fernsehen ein Stück österreichischen und deutschen Liedguts näher: der "Musikantenstadl". Am Samstagabend gastierte er in der Trier Arena.

Fast vollständig ausverkauft ist am Samstag die Arena in Trier. Mit einem 3000-köpfigen Publikum, das bislang überwiegend noch keinen Fuß in die Großraumhalle gesetzt hat, rechnet Hallenchef Wolfgang Esser. Viele ältere Menschen und Fans vom Land sind gekommen, um hauptsächlich die Galionsfigur es Unternehmens, Karl Moik, einmal live zu sehen. Seit mehr als 20 Jahren gehört der "Musikantenstadl" mit dem Österreicher an der Spitze zu einer der beliebtesten Fernsehsendungen im deutschsprachigen Raum. Den Siegeszug trat der heute 66-jährige Moik vor 24 Jahren in der Stadthalle Enns an. Fernsehübertragungen, erst in Österreich, dann in Bayern, folgten. Schon drei Jahre später wurde der "Stadl" bundesweit ausgestrahlt - und eroberte sich 1986 den Königsplatz im Fernsehen, den Samstagabend um 20.15 Uhr. Seitdem gehört die Sendung zu den Quotenrennern und sorgt in aller Welt für ausverkaufte Häuser.Der Mann müsste mal unters Solarium

Gewandet ist Moik in ein polizeigrünes Jackett und eine schlichte graue Hose, dazu wirkt er recht blass. "Der Mann müsste mal unters Solarium", stichelt einer der Zuschauer. Vielleicht täten es auch die Berge, die immer wieder mal thematisch während des dreistündigen Abends aufgegriffen werden. So wie von den Mürztalern. Eine auf und ab federnde Krachlederne an Gummi-Hosenträgern über dürren weißen Beinen sorgt für Gelächter im Publikum, das ansonsten wie im heimischen Ohrensessel vor dem Fernseher behaglich-entspannt das Programm verfolgt. "Alles live, nichts von Tonband oder Diskette", verspricht der frühere Radiomoderator Moik. Was das Publikum später bei der Jodlerkönigin Herlinde mit Beifall honoriert. Kurzzeitig werfen die Arena-Ränge wie Alpen-Hänge Herlindes Holdrio zurück - so wie sie singt, war sie sicher nicht in Loriots Jodlerschule. Urig-kernig die Sänger von Truck Stop, die - mittlerweile recht ergraut - authentische Country- & Western-Atmosphäre verbreiten. Niveauvoll der Vortrag der Jungen Tenöre, die nach Publikumsstimmen und schwenkenden Leucht-stäben rufen, aber auf letztere mangels Masse fast gänzlich verzichten müssen. Seltsam steif wirkt dagegen Wolfgang Lindner, der mit minimalistischem Dirigieraufwand das ansonsten gut aufgelegte Orchester leitet. Apart gibt sich die Schweizerin Francine Jordi mit glockenreiner Stimme. Und gut gelaunt kommt der Strahlemann Patrick Lindner im stahlblauen Anzug auf die Bühne. Ihm werden zu seiner Überraschung nur zwei Geschenke ("Was, nix mehr da?") beim kurzen Bad in der Menge überreicht. "Flaches Niveau", beurteilt eine Frau aus Oberkail die Treppenwitze von Moik, die er zwischen den Auftritten der Künstler zum Besten gibt. "Im Fernsehen sieht das irgendwie immer besser aus", meint auch eine Frau aus Bullay, die von der Ausstattung auf der Bühne enttäuscht ist. Dennoch ist sie glücklich. Schließlich hat sie einen der zahlreich verkauften "Wastl" ergattert - Moiks zu Plüsch gewordenem Rauhhaardackel. "Den wollten mein Mann und ich schon immer haben", meint sie fröhlich. Nun wird das Schmusetier die Vertrautheit mit 24 Jahren "Musikantenstadl" ins eigene Wohnzimmer bringen.