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Froh zu sein bedarf es König

Froh zu sein bedarf es König

Eine Zuschauerin musste während des knapp zweieinhalbstündigen Programms von Johann König im Echternacher Trifolion andauernd so sehr lachen, dass der Künstler sie alle paar Minuten darauf ansprach. Aber auch die übrigen 500 Besucher amüsierten sich prächtig.

Echternach. Lange bevor Johann König eine Karriere als Komiker einschlug, absolvierte er eine Ausbildung zum Kinderkrankenpfleger. In dieser Funktion kann man sich den schüchtern wirkenden Hemd- und Cordhosenträger noch ganz gut vorstellen. Dann folgte ein Studium an der Deutschen Sporthochschule Köln, was ihn dazu qualifizierte, an Gymnasien bis zur neunten Klasse Sport zu unterrichten. König als Sportlehrer? Vielleicht an einer sehr katholischen Mädchenschule, aber sonst?
Große Fallhöhe


Seit Ende der 90er Jahre nutzt der 42-Jährige mit den angegriffen klingenden Stimmbändern seine unscheinbare äußere Erscheinung gezielt, um eine große Fallhöhe zwischen Habitus und Komik zu schaffen, denn Sarkasmus wirkt umso stärker, je braver man sich gibt.
Die Rolle des phlegmatischen Künstlers, der es als Anzeichen für ein Burn-out sieht, wenn er nach 45-minütigem Aus-demFenster-Schauen ein Kribbeln in der Kniekehle hat, legt er in seinem Programm "Feuer im Haus ist teuer, geh raus!" auch schnell ab. Als ein zu spät kommendes Paar ungeschickterweise direkt an der Bühne vorbeihuscht, kommentiert er dies, indem er sich in deren Richtung mit dem Mittelfinger im Gesicht reibt. Es bleibt nicht bei dieser einen subtilen Publikumsbeleidigung: "Ich hab\' jetzt was vor, da weiß ich nicht, ob das euer Humor ist. Meiner ist es nicht." Trotzdem erzählt er den Witz "Der Mann und der Kind" - "der" Kind, denn es handele sich dabei um einen Jungen. Mann: "Bist du der Sohn vom Ziegenficker?" Junge: "Nähäh, nähäh."
Mehr Kabarettist als Comedian


Die Schwerpunkte von Königs vielfältiger Komik sind Wortspiele, zum Beispiel ein Gedicht über eine Frau, die vor ihrem Mann Klaus Angst hat ("Klaus-trophobie"), und politische Inkorrektheit ("Ich verstehe nicht, dass zwischen Frauen- und Behindertenparkplätzen ein Unterschied gemacht wird"). Hier besteht immer ein bisschen die Gefahr, dass er "Genauso ist es!"-Gelächter hervorruft, obwohl er stets versucht, am Ende entweder selbst als Idiot dazustehen oder den Zuschauern aufzeigt, dass sie mit ihren Vorurteilen falschliegen.
Johann König spielt damit, dass die Besucher beispielsweise bei der bloßen Erwähnung eines Polen an Diebstahl denken und sich dann ertappt fühlen, wenn die Pointe doch in eine ganz andere Richtung geht. Ob jeder diese Assoziation auch hinterfragt, steht auf einem anderen Papier. Doch mit dem Ansinnen, sein Publikum nicht nur zum Lachen zu bringen, ist König den Kabarettisten näher als den Comedians. chj