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"Früher mehr Angst als heute"

"Früher mehr Angst als heute"

"Don\'t You (Forget About Me)", "Alive and Kicking", "Mandela Day" - das sind nur drei von zahlreichen Hits, mit denen sie in den 1980er Jahren ganze Stadien zum Kochen gebracht haben. Am Mittwoch, 12. Februar, kommt die schottische Band Simple Minds nach Trier in die Europahalle.

Trier. Mit Simple-Minds-Frontmann Jim Kerr hat TV-Mitarbeiter Werner Jürgens gesprochen. Stimmt es, dass Sie "Don\'t You (Forget About Me)" erst gar nicht aufnehmen wollten?Jim Kerr: Das ist richtig. Der Song hat uns zunächst nicht sonderlich interessiert. Er stammte aus einem Film, der hieß "Breakfast Club", und wurde extra für diesen Film geschrieben. Und das auch nicht von uns. Die Produzenten und die Plattenfirma waren trotzdem ganz scharf darauf, die Simple Minds dafür zu verpflichten.Warum haben Sie den Song letztlich doch aufgenommen?Kerr: Das Demo war weder besonders gut noch besonders schlecht. Der eigentliche Grund, den Song dann doch aufzunehmen, war, dass wir den Produzenten mehr mochten als das Lied. Wir haben daraufhin einiges umarrangiert. Die Melodie ist zwar gleich geblieben. Aber das Intro, die Dynamik und der "Lalala"-Chorus am Schluss, das alles haben wir eingebracht. Anschließend waren die Simple Minds so angesagt, dass die Band riesige Stadien gefüllt hat. Überwiegt da die Euphorie? Oder kriegt man es manchmal nicht auch ein bisschen mit der Angst zu tun?Kerr: Das ist natürlich schon überwältigend. Und auf eine seltsame Weise längst nicht so furchteinflößend wie unsere ersten Gigs, als nur wenige Leute da waren. Wir sind ja nicht über Nacht in die Stadien gegangen. Das ist binnen sieben, acht Jahren Schritt für Schritt gewachsen. Sicher war es immer noch ein großer Sprung. Trotzdem hatten wir die ersten paar Jahre, als für uns noch alles neu war und wir nicht genau wussten, was wir machen, wesentlich mehr Angst als heute. Sie haben sich für Nelson Mandelas Freilassung eingesetzt, als der noch im Gefängnis saß.Kerr: Meine Heimatstadt Glasgow war eine der ersten Städte, die Mandela offiziell für frei erklärt haben. Das geschah schon 1983, als die damalige Premierministerin Margret Thatcher ihn immer noch einen Terroristen genannt hat. In Großbritannien existierte zu der Zeit ein starkes Bündnis von Künstlern gegen die Apartheid. Wir hatten alle das Gefühl, dass die Apartheid in ihren letzten Zügen lag. Sie haben Mandela persönlich getroffen. Wie haben Sie ihn erlebt?Kerr: Nachdem man ihn endlich freigelassen hatte, kam er nach London und hat uns Künstler in einem Raum versammelt, um sich für unsere Unterstützung zu bedanken. Ich habe ihn als einen bescheidenen und charmanten Menschen ohne jegliche Bitterkeit erlebt. Er besaß ein enormes Charisma und konnte richtig witzig sein. Dass er gestorben ist, ist zwar traurig. Doch ich denke, der Idealismus, für den er steht, gehört zu jenen Dingen, die niemals sterben werden.Gemessen am kommerziellen Erfolg lief es für die Simple Minds ab den 1990er Jahren längst nicht mehr so gut wie früher ...Kerr: Der Punkt ist, dass es in den 90ern innerhalb der Band zu Turbulenzen kam. Einige der alten Mitglieder hatten beschlossen, nicht mehr weiterzumachen. Unser Manager, der für uns immer auch eine Art Vaterfigur gewesen ist, wollte sich zur Ruhe setzen. Wir haben daraufhin viel an Feuerkraft verloren.Was für ein Repertoire werden wir auf der aktuellen Tour zu hören bekommen?Kerr: Wir spielen Songs quer durch unsere gesamte Karriere. Wir zerpflücken aber auch einige Sachen, um dem Publikum ein paar Überraschungen zu bescheren. Die Show ist sehr lang und intensiv mit zwei Sets und einer Pause dazwischen. red Simple Minds, 12. Februar, 20 Uhr, Europahalle Trier. Karten gibt es im TV-Service-Center Trier und an der Abendkasse.