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"Früher wollte ich ein Schlumpf sein"

"Früher wollte ich ein Schlumpf sein"

HAMBURG. Seinen Käpt'n Blaubär kennt jedes Kind: Walter Moers schreibt und zeichnet aber auch für Erwachsene. Der Erfolgsautor hat jetzt einen neuen Roman heraus gebracht: "Rumo".

Walter Moers lebt in Hamburg. Aber eigentlich hat er sich in den letzten Jahren auf dem Fantasie-Kontinent Zamonien herumgetrieben. Zuerst hat er "Die 13 Leben des Käpt'n Blaubär" aufgeschrieben, dann "Das Märchen von Ensel & Krete", und jetzt hat er mit "Rumo" einen weiteren Roman abgeliefert, der die Leser teilhaben lässt an den Abenteuern des kleinen Wolpertingers Rumo in der Oben- und Untenwelt. Das sind keine Märchen für Kinder. Vergleiche mit klassischen Mythen wie Orpheus und Eurydike liegen nahe und Moers gibt gerne zu, dass diese Pate standen, auch wenn Comics seine Fantasie als Kind bereits geprägt haben. "Früher wollte ich ein Bewohner von Entenhausen oder ein Schlumpf sein. Heute habe ich meinen eigenen Kontinent", erklärt er. Walter Moers meidet die Medien. Interviews sind rar und seit Jahren gibt es keine öffentlichen Fotos mehr von ihm. "Ich halte Prominenz für einen unnatürlichen Zustand", sagt er. "Ich weiß nicht, was begehrenswert daran sein soll, überall von wildfremden Leuten erkannt zu werden. Als das anfing, mir auf die Nerven zu gehen, habe ich einfach die Veröffentlichung von Fotos, auf denen ich abgebildet bin, untersagt. Heute kann ich mich wie ein ganz normaler Mensch unter Menschen bewegen. Ich glaube, Michael Jackson würde dafür seine Nase verkaufen", sagt der Autor und Comiczeichner. Umso umtriebiger ist er dagegen mit seinen Werken: "Ich arbeite immer an mehreren Ideen gleichzeitig. ‚Rumo‘ hat mehrere Jahre auf meinem Schreibtisch gelegen, aber in der Zeit sind auch andere Sachen entstanden. Ich habe eine lange Sammelphase. Ich bin ein Notierfetischist und besitze vermutlich die größte Notizbüchersammlung Europas. Wenn ich ein Notizbuch sehe, muss ich es kaufen." Er schreibt überall, selbst in Straßencafés. Das Einzige, was ihn ablenken kann, ist Musik, und seine Einfälle hat er meist auf Reisen. "Für ‚Rumo' sind wir in die Mammoth Caves eingestiegen, das sind gigantische Höhlensysteme in Kentucky. Auch die Wüsten von Arizona und New Mexico haben eine fantasiebeflügelnde Wirkung." Doch wer so viel Fantasie hat, der träumt auch intensiv und somit manchmal schlecht: "Das ist der Haken. Ich träume viel in Breitwand und Ultracolor." Manche mögen vermuten, dass der Gebrauch bewusstseinsfördernder Substanzen dem Schreiben solch fantastischer Werke förderlich sei. Dazu Moers: "Ich weiß, dass viele glauben, ich säße bekifft am Schreibtisch. Tatsache ist, dass ich noch nie eine Zeile unter dem Einfluss von Drogen verfasst habe. Außer unter Koffein-Einfluss." Während seine früheren Werke allesamt im Eichborn Verlag erschienen sind, an dem Moers Anteile gehalten hat, und er somit sein eigenes Zugpferd war, erscheint sein neuer Roman beim Konkurrenten Piper, zu dem auch Ex-Eichborn Programmchef Ferchl gewechselt ist. Selbst wenn das reichlich unwirtschaftlich klingt, Moers pfeift drauf: "Ein finanzieller Coup war das sicher nicht. Es ging um meine persönliche künstlerische Freiheit, ,Rumo‘ mit den Leuten fertig zu stellen, mit denen ich schon seit Jahren die Zamonienbücher mache."