Fünf Gitarren und ein Frauenversteher

Trier · Der Zuschauerraum des großen Saals der Tufa ist durch ein Absperrband unterteilt. Nur knapp über 100 Besucher wollten hören, was Liedermacher Michael Fitz über Gefühle, Beziehungen und das, was hinter seiner Stirn stattfindet, in seinen Liedern zu erzählen hat. Dabei hätte er einen vollen Saal verdient.

 Ernsthaft, mit bayerischer Seele und immer mit etwas Wehmut: Liedermacher Michael Fitz in Trier. TV-Foto: Karin Pütz

Ernsthaft, mit bayerischer Seele und immer mit etwas Wehmut: Liedermacher Michael Fitz in Trier. TV-Foto: Karin Pütz

Foto: Karin Pütz (kap) ("TV-Upload P?tz"

Trier. In schwarzer Hose und schwarzem Langarm-Poloshirt nimmt Michael Fitz auf der Bühne Platz, neben ihm sind fünf Gitarren aufgereiht. "Grüß Gott!", sagt er fast schüchtern und lächelt dem überwiegend weiblichen Publikum zu. Als er ankündigt, ausschließlich bayerisches Liedgut zum Besten zu geben, erntet er den ersten Applaus. Offenbar hat niemand Angst vor seinem Dialekt - warum auch, gerade der macht den Charme des 57-jährigen Sängers und Schauspielers aus.
Schon vor einigen Jahren wurde Besucherin Marina Teusch aus Wittlich auf Fitz als Schauspieler aufmerksam, als er in der Familienserie "Aus heiterem Himmel" einen langhaarigen Bootsbesitzer spielte. Auch aus dem Münchener "Tatort" kennt sie ihn. "Seit er nicht mehr mitspielt, gucke ich mir den ,Tatort' nicht mehr an", sagt die 41-jährige Polizistin. Damals sei sie neugierig gewesen, was er noch zu bieten hat. Und das ist einiges: Mittlerweile 14 CDs hat der Künstler veröffentlicht. In seinem aktuellen Programm "Liedermaching", das er in der Tufa spielt, geht es vor allem um "Gfui" (Gefühl): Partnerbeziehungen, Selbstzweifel, die unterschiedliche Gedankenwelt von Männern und Frauen und um Lebensabschnitte. Mit Ende 50 hat Fitz viel zu erzählen und lässt einen Frauenversteher erahnen. Er reflektiert über seine Lieder das, was er fühlt ("Hinter meiner Stirn") - ernsthaft, mit bayerischer Seele und immer mit etwas Wehmut. Dabei bedient er sich unterschiedlicher Stile, von Blues-Rock über Walzer bis zu spanisch anmutenden Rhythmen beherrscht er auch auf der Gitarre sein Handwerk. Seine Lieder zelebriert er mit einer Eindringlichkeit und Ausdrucksstärke, die vor allem bei "Zeit" oder "Wuist Du mi no" das Publikum so still werden lassen, dass man den Aufprall einer Stecknadel hören könnte. Es ist sicherlich kein Nachteil, dass er Schauspieler ist. Seine geschulte Stimme lässt zu, dass man den bayerischen Dialekt auch ohne "Grundkenntnisse" versteht - zumindest meistens. "Etwas Lustiges" fordert eine Zuschauerin im zweiten Teil des Programms, was Fitz sehr amüsiert. Humor kommt in seinen Songs rudimentär vor - erst bei der zweiten Zugabe wird es witzig, als er von den Menschen singt, die ihn auf der Straße auf seine Fernsehrollen ansprechen und ihm sagen, dass sie den "Tatort" nicht mehr anschauen, seit er nicht mehr mitspielt. kap

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort