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Fulminantes Talent im Wiesengrund

Laetitia Hahn und ihr Bruder Philip spielen bei „Bach am Bach“ in Naurath. TV-Foto: Eva-Maria Reuther
Laetitia Hahn und ihr Bruder Philip spielen bei „Bach am Bach“ in Naurath. TV-Foto: Eva-Maria Reuther FOTO: Eva-Maria Reuther (er) ("TV-Upload Reuther"
Naurath-Wald. Musik traf auf ländliche Idylle beim Mosel Musikfestival. Als Ausnahmetalente am Klavier faszinierten Laetitia Hahn und ihr Bruder Philip ihr Publikum im schönen Wiesental von Naurath-Wald. Die etwa 30 Zuhörer applaudieren begeistert. Eva-Maria Reuther

Naurath-Wald. Das Licht der Nachmittagssonne fällt durch die hohen Bäume, tanzt auf dem Wasser des einstigen Mühlteichs und sprenkelt die grünen Blätter der Büsche mit Sonnentupfen. Ringsum auf der Wiese sitzen drei Dutzend Leute auf Garten stühlen, um dem Mädchen im luftigen roten Kleid zuzuhören, das unter zwei Sonnenschirmen Klavier spielt. Diskret rauscht im Hintergrund der Bach. Die malerische Szene wirkt wie ein impressionistisches Bild. Dabei ist sie greifbare Wirklichkeit.
Von "Bach am Bach", dem Traditionsformat des Mosel Musikfestivals, ist die Rede. Diesmal ist der Bach die Dhron. Und der Ort im idyllischen Wiesental die Außenanlage des Gourmet Restaurants und Hotels "Rüssels Landhaus" St. Urban in Naurath-Wald. Auch das Mädchen am Flügel ist nicht irgendeine beliebige Nachwuchspianistin, sondern die hochbegabte Laetitia Hahn, die als eines der weltbesten Talente auf dem Tasteninstrument gilt. Zusammen mit Lang Lang hat sie schon konzertiert, in allen möglichen Fernsehshows war sie zu Gast. Mit ihren zwölf Jahren ist die junge Pianistin bereits Studentin der Schweizer Kalaidos University of Applied Sciences in Zürich. Manch einer spricht von einem Wunderkind.
Enormes Musikgedächtnis


Auch der Nachmittag im Dhrontal belegt das enorme Musikgedächtnis und das fulminante technische Können des jungen Mädchens. Ein ausgesprochen schwieriges Programm hat sich Laetitia an diesem Sonntag vorgenommen, das sie auswendig spielt. Gleich zu Beginn trägt sie Johann Sebastian Bachs Suite Nr.6 E-Dur BWV 817 vor. Anmutig, frisch, bisweilen perlend erklingt in leichtem Plauderton die Suite. An Gigantisches wagt sich die Jungpianistin mit Ludwig van Beethovens berühmter Grande Sonate Nr.8 in c-Moll op.13, der berühmten "Pathétique".
Beethoven spiele sie am liebsten, sagt die junge Künstlerin später, "wegen der unterschiedlichen Temperamente". Dynamisch arbeitet sie auch an diesem Nachmittag die Dynamik der Komposition heraus. Zart und mit feinem Klangsinn beschließt sie das Konzert mit Felix Mendelssohn Bartholdys Rondo capriccioso.
Mit von der Partie ist auch Laetitias siebenjähriger Bruder Philip, ebenfalls hochbegabt und wie seine Schwester Jüngststudent an der Schweizer Hochschule. Staunend verfolgen die Zuhörer die Interpretation des blonden Jungen im dunklen Anzug, der nach Bachs Präludium und Fuge D-Dur BWV 850 noch Frédéric Chopins Etude f-Moll op. 25 Nr.2. präsentiert.
"Ich spiele am liebsten Bach", erklärt Philip selbstbewusst, und dann war's das mit dem Wunderkind. Schwupps ist er weg und drüben auf der Schaukel. Wo er brillant vorführt, wie man auch in Oberhemd und dunkler Hose abseits des Klaviers hoch fliegen kann. Derweil bemüht sich seine Schwester, mit Mamas Hilfe aus ihrem festlichen, aber nicht gerade bewegungsfreundlichen Kleid herauszukommen. "Es ist ganz wichtig, dass die Kinder genügend Zeit zum Spielen haben", bestätigt Annette Hahn, die Mutter der beiden Ausnahmetalente.