1. Region
  2. Kultur

Gabriele Lohberg über ihren Abschied als Chefin der Europäischen Kunstakademie

Trier : Blick zurück mit Stolz

Europäische Kunstakademie: Chefin Gabriele Lohberg zieht nach 23 Jahren Bilanz.

Zurück ins pulsierende Leben der zeitgenössischen Kunstszene hatte sie damals gewollt, als sie 1996 aus dem Davoser Kirchner-Museum nach Trier wechselte, um die Leitung der Europäischen Kunstakademie (EKA) zu übernehmen. Mit der Vitalität und der Gegenwartskunst hat es jedenfalls geklappt. Nach über 20 Jahren freut sich Gabriele Lohberg noch immer: „Die Akademie ist ein lebendiger Organismus, ein Ort des zeitgenössischen Kunstschaffens, des Austauschs und der Begegnungen.“ Dass der mehr als 40 Jahre alte Kunst-Kosmos an der Mosel zur größten freien Akademie in Europa herangewachsen ist, daran hat die promovierte Kunsthistorikerin entscheidenden Anteil. Jetzt geht die 1954 geborene Direktorin in den Ruhestand. Ihr Büro ist zum Teil schon ausgeräumt. Ihr Nachfolger, der gebürtige Schweizer Simon Santschi, übernimmt am 1. Februar die Leitung.

Endzeit-Feeling kommt bei Gabriele Lohberg aber nicht auf. Der graue Laptop steht aufgeklappt auf dem Schreibtisch. Griffbereit daneben liegt der Katalog für das neue Akademiejahr. „Mein letzter Katalog“, sagt die Akademiechefin. Und das klingt dann doch etwas wehmütig. Der Akademiebetrieb mit seinen Dozenten und Teilnehmern wird ihr fehlen. Denn als eine, die stets Partei für die Kunst nimmt, brennt Gabriele Lohberg für ihre Arbeit. Das weiß jeder, der über die Jahre mit ihr zusammengearbeitet oder auch um die Kunst gestritten hat. Nicht zuletzt wissen das die jährlich etwa 1500 Kursteilnehmer, die der Akademie im Schnitt beachtliche zehn Jahre treu bleiben. „Mir haben von Anfang an die internationale Atmosphäre und die Strukturen hier gefallen“, erinnert sich Lohberg. Mit Ausdauer, Geschick  und der ihr eigenen Zielstrebigkeit hat die gebürtige Krefelderin nach und nach die Kursstrukturen und -angebote ausgebaut, neue Studiengänge eingeführt und die Zusammenarbeit mit der Hochschule und der Trierer Universität vertieft, an der sie selbst als Dozentin arbeitete. Zudem gründete sie die beliebte Jugendkunstschule.  Heute lehren die über 60 internationalen Dozenten und Dozentinnen  in 150 Kursen (früher 100) quasi jede künstlerische Technik. Debatten über Frauenquoten haben sich am Kunstort EKA erledigt. Etwa 80 Prozent der Teilnehmer sind dort Frauen. Stolz macht Lohberg,  dass die Akademie inzwischen kostendeckend arbeitet, bei einem Gesamthaushalt von rund 800 000 Euro,  in dem ein  Zuschuss des Landes von 80 000 Euro enthalten ist und ein weiterer von 72 000 Euro der Stadt Trier, die auch die Unterhaltskosten für die Gebäude trägt. Nicht immer war das so. „Die Jahre der Wirtschaftskrise haben uns sehr zu schaffen gemacht“, erinnert sich die EKA-Chefin. Überhaupt bleibt der Kampf ums Geld ihre sorgenvollste Erinnerung: „Der Druck war enorm.“ Seit Jahren habe die Akademie zudem gegen die zunehmende Konkurrenz von Kunstkurs-Angeboten und Akademie-Neugründungen zu kämpfen. „Der Markt boomt“, so Lohberg. Trotz mancher Krise: „Es war eine schöne Zeit, mit vielen spannenden Projekten“. So wie die Ausstellung von Graffiti-Künstler Harald Naegeli, der anschließend die Exponate der EKA schenkte. Quasi ein künstlerisches Heimspiel waren für die einstige Frauenfußballerin die „Ballkünstler-Projekte“, zu denen sich Kunst- und Fußballfans zusammenfanden.

Nicht zu vergessen: Lohbergs  engagierte Kunst Projekte im öffentlichen Raum. Vielfalt und viele Teilnehmer wünscht die scheidende  EKA-Chefin dem Haus. Trier will sie auch weiterhin verbunden bleiben. Aber erst mal ist „gründlich ausschlafen und Nichtstun“ angesagt.