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Gänsehaut gibt's nicht umsonst: Mehr Geld fürs Mosel Musikfestival

Der Innenhof des Kurfürstlichen Palais in Trier ist beim Mosel Musikfestival eine beliebte Open-Air-Kulisse. Foto: Veranstalter/TV-Archiv
Der Innenhof des Kurfürstlichen Palais in Trier ist beim Mosel Musikfestival eine beliebte Open-Air-Kulisse. Foto: Veranstalter/TV-Archiv
Trier. Es gilt als das beste Musikfestival des Landes, es lockt jedes Jahr Tausende Besucher an die Mosel und es kostet Geld, das nicht immer da war. Nun stellen die Gesellschafter das Mosel Musikfestival finanziell auf eine solidere Basis. Nicht jedem Kommunal politiker gefällt das. Katharina Hammermann

Trier. Im Sommer, wenn Orgeltöne die riesige Leere der Basilika füllen, wenn Hörner im Wingert erklingen, Klaviere im Kloster und Bach am Bach, dann lockt das Mosel Musikfestival mit hochkarätigen Künstlern wieder Tausende Besucher an ungewöhnliche Spielorte. "Wir wollen Landschaft emotionalisieren. Wir sind Wellness für die Seele. Wir sind Gänsehautproduzenten", sagt Intendant Hermann Lewen, der 2015 den 30. Geburtstag seines Festivals mit 50 Konzerten an 35 Spielorten feiert.Selbst Kredite waren nötig


Gänsehaut gibt\'s allerdings nicht umsonst. In der Vergangenheit war es finanziell oft schwierig. Zum Beispiel 2012, als schlechtes Wetter die Bilanz der Open-Air-Konzerte verhagelte und der Landeszuschuss geringer ausfiel als sonst. "Wir waren permanent mit Liquiditätsproblemen beschäftigt", sagt Lewen. Irgendwann waren selbst die 25 000 Euro Stammkapital seiner Gesellschaft aufgebraucht. Die beteiligten Kommunen hatten sich zwar bereiterklärt, Verluste in Höhe von bis zu 100 000 Euro zu decken. Wenn weniger benötigt wurde, zahlten sie allerdings auch weniger. Rücklagen konnte Lewen auf diesem Weg keine bilden. Ein weiteres Problem: "Der Landeszuschuss fließt mit Beginn der Konzerte, und die Sponsoren zahlen erst, wenn die Leistung erbracht ist", sagt der Organisator. Daher habe er sogar Kredite aufnehmen müssen, um das Festival vorzufinanzieren.
Damit das nicht mehr nötig ist, stellen die Gesellschafter der gemeinnützigen Veranstaltungsgesellschaft - das sind die Städte Trier und Bernkastel-Kues sowie die Landkreise Bernkastel-Wittlich, Trier-Saarburg, Cochem-Zell und Mayen-Koblenz - das Mosel Musikfestival auf eine solidere finanzielle Basis. Statt nur die Verluste in Höhe von maximal 100 000 Euro auszugleichen, sollen insgesamt 116 000 Euro jährlich in die Festivalkasse fließen. Was zu viel ist, kann für spätere Jahre zurückgelegt werden. "Zudem werden 100 000 Euro Eigenkapital in die Gesellschaft gelegt, um sie bilanziell zu stärken", sagt Thomas Egger, Triers Kulturdezernent und Aufsichtsratsvorsitzender der Festival-Gesellschaft.
Zwar steht die Mehrheit der Kommunalpolitiker hinter dieser Idee (zumal das Ganze in Trier von der Sparkasse finanziert wird), doch gibt es auch Kritiker. Zum Beispiel in Bernkastel-Kues, das nun jährlich mit Hilfe der Verbandsgemeinde 40 000 Euro zuschießt.
Lewen habe das ihm zur Verfügung gestellte Budget so weit überzogen, dass die Kommunen zum Handeln gezwungen waren, kritisiert Stadtratsmitglied Bernd Gelz (SPD). "Ich bin der Meinung, dass Kommunen bei der hohen Verschuldung auch in der Kultur ihre Haushaltsansätze einhalten müssen", findet der Politiker.
Stadtbürgermeister Wolfgang Port hingegen steht voll und ganz hinter Lewen. Der sammele jedes Jahr mehr als 200 000 Euro Spenden für das Festival. "Das macht er gut und fast autark", sagt Port, der den jährlichen Zuschussbedarf angesichts der Weltstars, die an die Mosel kommen, gering findet. "Das ist gut angelegtes Geld", glaubt Port. Denn: Touristen suchten einen Anlass, um an die Mosel zu kommen. "Und wir investieren in die Köpfe der Menschen", sagt der Stadtchef. Auch Egger ist überzeugt, dass Trier und die Region vom "besten Musikfestival des Landes" profitieren.
Reden, die Lewen ebenso gefallen dürften wie die neue Finanzausstattung. "Wir sind kein Lust-, sondern ein touristisches Wirtschaftsprojekt", betont der Intendant. 70 Euro gebe jeder Besucher im Schnitt aus. Für Eintritt, Essen, Übernachtung. Gänsehaut gibt es nun einmal nicht immer umsonst.Extra

Die Gesellschafter der gemeinnützigen Veranstaltungsgesellschaft Mosel Musikfestival zahlen jährlich 116 000 Euro: Bernkastel-Kues 40 000 Euro, Trier 36 000 Euro, die Kreise Bernkastel-Wittlich, Trier-Saarburg und Cochem-Zell je 12 000 Euro und Mayen-Koblenz 4000 Euro. Der Landeszuschuss lag 2014 bei 185 000 Euro. Über Sponsoren kamen 262 000 Euro rein und mit Eintrittsgeldern wurden rund 300 000 Euro erwirtschaftet. 2014 besuchten rund 12 000 Zuschauer 57 Konzerte an 41 Spielorten. kah