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Gänsehaut-Momente bei Mozarts Requiem in Trier

Gänsehaut-Momente bei Mozarts Requiem in Trier

Der Trierer Konzertchor, die vier Solisten und das Philharmonische Orchester der Stadt Trier bescheren den fast 700 Zuhörern am Sonntag in Sankt Maximin mit Mozarts Requiem ein intensives Konzerterlebnis.

Trier. Um Wolfgang Amadeus Mozarts (1756-1791) letzte Komposition, das Requiem, ranken sich viele Mythen. Sein größtes kirchenmusikalisches Werk war von einem exzentrischen und mysteriösen Grafen in Auftrag gegeben worden, der manchen Legenden zufolge dem sterbenskranken Komponisten als Bote aus dem Jenseits galt.
Von Geldnöten geplagt und von Todesahnungen gequält, gelang es Mozart selbst nicht mehr, das Werk fertigzustellen, am 5. Dezember verstarb er. Seine Witwe Constanze übertrug die Fertigstellung den Mozart-Schülern Joseph Eybler und danach Franz Xaver Süßmayr, dessen Version am Sonntagnachmittag vom Trie rer Konzertchor aufgeführt wird. Umstritten ist auch, wie viel vom Genius Mozarts (dem ungefähr drei Viertel des Werkes originär zugeschrieben werden) den hinzugefügten Passagen des Sanctus, Benedictus und Agnus Dei innewohnt. Unbestritten handelt es sich jedoch um eines der populärsten Werke der Sakralmusik. Es gehört also schon ein wenig Mut dazu, diesen schon vielfach gehörten Klassiker zur Aufführung zu bringen. Vor dem eigentlichen Requiem gibt es als Einstimmung noch Mozarts Kyrie (KV 341), die Kirchensonate (KV 336) und die Motette Exsultate, Jubilate (KV 165).
Unter der Leitung von Professor Jochen Schaaf, der bei der Kirchensonate auch an der Orgel glänzt, konzertieren neben dem Chor das Philharmonische Orchester der Stadt Trier und vier Gesangssolisten: Kerstin Bauer (Sopran), Marion Eckstein (Alt), Patrick Henckens (Tenor) und Lukas Schmid (Bass). Schaaf schlägt ein flottes Tempo an, dirigiert mit dem nötigen großen Schwung und hält dabei jederzeit das vielköpfige Ensemble beisammen. Seine Interpretation gerät transparent, fast schlank, jedenfalls ohne großes Pathos.
Die Philharmoniker agieren mit der gebotenen Zurückhaltung, sind jedoch sehr präsent und beeindrucken durch Homogenität.
Unter den Solisten ragen Ecksteins Alt- und Schmids Bassstimme heraus, Henckens' Tenor wirkt etwas angestrengt und Bauers jugendlichem Sopran fehlt bei aller Beweglichkeit und durchaus vorhandenem Glanz ein wenig die Kraft und Fülle, um ein solches Werk in der großen Halle der Abteikirche zu stemmen. Der Chor beeindruckt hingegen durch seine Klangfülle, bleibt aber in manchen Passagen zu diffus. Man kann über die musikalische Rezeption vortrefflich streiten - was mancher Zuschauer auch tut - unbestritten bleibt jedoch die Schönheit des Gesamterlebnisses dieses Konzertes und der Eindruck, dass alle Beteiligten Großes geleistet haben. "Schon bei den ersten Takten hatte ich Gänsehaut", sagt jedenfalls eine Dame und erhebt sich, wie viele andere, zum Applaus. DT