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Gags gegen den Untergang

Mit Brille, Blümchenhemd und Sprachfehler sorgt Paul Panzer in der Trierer Arena zwar für Lacher, aber nicht unbedingt für frenetischen Jubel. TV-Foto: Dirk Tenbrock
Mit Brille, Blümchenhemd und Sprachfehler sorgt Paul Panzer in der Trierer Arena zwar für Lacher, aber nicht unbedingt für frenetischen Jubel. TV-Foto: Dirk Tenbrock
Trier. 2700 Menschen haben am Wochenende Paul Panzer mit seinem neuen Programm "Hart Backbord" in der Trierer Arena gesehen. Eine naiv bis sarkastische Aufrechnung großer Probleme der Zeit mit moralischem Zeigefinger und einigen Schwächen. Sybille Schönhofen

Trier. Nebel wabert in der Dunkelheit um das Piratenschiff, Blitze zucken, theatralische Musik schafft eine gewichtige Atmosphäre, dann die drohende Ankündigung aus dem Off: "Es geht abwärts mit euch Landratten." Untergangsstimmung. Bis Dieter Tappert alias Paul Panzer die Bühne betritt, mit Brille, Blümchenhemd und Sprachfehler. Entwarnung. Obwohl - Paul Panzer bohrt in Wunden. Es geht um Klimakatastrophe und Umweltverschmutzung. Zeit, das Ruder kurz vor knapp herumzureißen, meint Paul Panzer. "Hart Backbord" heißt daher das neue Programm, mit dem der Comedian in Trier seine Tour startete.
Bei der Premiere sitzt nicht alles sicher. Aber das Markenzeichen Sprachfehler hat er fest im Griff. Er redet von der "klopallen Erwärmung", dem Loch in der "Otsonnschicht", zu viel "Platsdick" und "radioaktiffem Sondermüll". Die Umweltproblematik füllt das Programm zur Hälfte, danach kriegen die Jugendlichen als faule Null-Bock-Primaten ihr Fett weg. "Die sprechen, als seien sie in eine Kiste mit Botox-Einwegspritzen gefallen", schwingt sich ausgerechnet Paul Panzer zum Richter über die Sprachverwahrlosung auf. Mit Ironie, Sarkasmus, Übertreibungen, hanebüchenen Vergleichen und Bildern macht der Komiker seine Punkte.
Das Nachäffen jugendlicher Checker mit Schlabberhosen und gullideckelgroßen Kopfhörern, Füßen auf den U-Bahnsitzen und Burn Out von zu viel "Fatzebock" (Facebook) ist eine der starken Nummern, in der er seine Kunst der Parodie zeigt. Außer der Jugend, der Industrie, dem Haarsprayverbrauch seiner Frau Hilde und der Chemie im Badezimmerschrank seiner Tochter Susaska, dem Müll und den Chinesen macht Paul Panzer die Werbung für den Untergang der Welt verantwortlich.
Manches Thema wirkt ein wenig mit der Brechstange eingefügt, um einen guten Gag unterzubringen. Wie seine Diätschilderung, die mit zu den besten Parts des Abends gehört. "Das sind keine Chips, das sind geheime Unterlagen, die du verschwinden lassen musst", beschreibt er die Signale, die sein Gehirn an den Körper sendet.
Ähnlich dem flüchtigen Bewusstsein, mit dem ein Gieriger Chips in sich hineinstopft, so ist auch der Eindruck, den Paul Panzer hinterlässt, eher ein flüchtiger. Dieter Tappert bedient Publikumsmasse mit Textmasse und altbekannten Themen. Wobei er diese mit vielen guten Einfällen serviert und sich das Publikum amüsiert. Richtig mitgehen sieht allerdings anders aus. Paul Panzers Versuch, Kontakt herzustellen mit der Aufforderung "Flozzen hoch", bleibt jedes Mal ohne Reaktion.
Und plötzlich ist er fort. Wie die Chips in der Tüte. Das Publikum ist verwundert, aber scheinbar satt. Es bemüht sich auf jeden Fall nicht, mehr zu bekommen.