Galerie Contemporanea in Oberbillig zeigt Arbeiten auf Papier von Roger Bertemes

Bildende Kunst : Motto: „Malen, was man lebt“

Die Galerie Contemporanea in Oberbillig zeigt Arbeiten auf Papier von Roger Bertemes. Ein Besuch lohnt auf jeden Fall.

Mit einer feinsinnigen Ausstellung erinnert die Galerie Contemporanea an den interessanten, hierzulande allerdings weniger bekannten Luxemburger Maler Roger Bertemes. „Es geht nicht darum zu malen, was man sieht, sondern was man lebt“, wird der vielfach ausgezeichnete und international ausgestellte Künstler, der 2006 starb, in einem Katalog zitiert. Das ist nun nicht unbedingt eine neue Erkenntnis. Abgesehen davon, dass die ästhetische Fassung der Innenschau  ganz sicher ebenso schwierig ist wie die der einsichtigen Außenschau. Gleichwohl kennzeichnet das Zitat den Luxemburger als einen Künstler, der in der Tradition der Entdeckung des Subjekts, des „schönen (und unschönen)  Selbsts“ steht.  Im Klartext: In seinen Gemälden und Grafiken berichtet Bertemes über die eigenen Empfindungen und Seelenlagen.

Oben im hohen Luxemburger Norden, dem Ösling, ist der Maler  1927 bei Clervaux geboren.  Zunächst absolvierte er eine Ausbildung als Grundschullehrer, bevor er ein Studium der Radierung bei Johnny Friedlaender in Paris aufnahm. Als Maler war der Künstler Autodidakt. Gerne werden Bertemes’ Arbeiten mit seiner kargen heimatlichen Landschaft in Verbindung gebracht. Das mag dahingestellt bleiben. Seine in Oberbillig gezeigten Tuschmalereien und Aquarelle  haben sich jedenfalls von allen identifizierbaren realen Verhältnissen gelöst.  Gerade seine abstrakten Tuscharbeiten mit ihren Schwarz-und Grautönen wirken eher wie die energiegeladene, zuweilen widersprüchliche, ein andermal verträumte  Kalligrafie der Seele mit dem Pinsel.

Schwarze mit kraftvoller Geste aufgetragene Farbflächen, die zuweilen im Grau verschwimmen oder sich ins Lineament der Pinselstriche aufzulösen scheinen, bilden darin  ein Spannungsfeld aus Statik und Bewegung, Leichtigkeit und Schwere. Bisweilen widersetzen sich farbige Punkte oder winzige Farbflächen dem Dunkel.

In ihrer Bildsprache verweisen Bertemes’ Arbeiten mit ihren kontrastierenden Energien  nicht nur nach Fernost, sondern auch neben anderen auf Antonio Tàpies, den spanischen Großmeister der Moderne. Die  Blätter des Luxemburger Künstlers sind ausgesprochen poetisch. Das gilt gleichermaßen für die Tuscharbeiten wie die feinsinnigen, delikaten Aquarelle. Gegenüber den  Arbeiten in Tusche wirken sie heiter, geradezu abgeklärt.  Das Wiedersehen mit Roger Bertemes’ Werk lohnt sich auf jeden Fall.

Die Ausstellung läuft bis 30. November. Sie ist zu sehen nach Vereinbarung unter Telefon 06501/12297 oder 0160/55023; weitere Infos unter www.contemporanea.de

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