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Galerie Junge Kunst in Trier zeigt Werke von Nina Nick und Valerie Buchow

Kunst : Skurrile Suche nach „Restwärme“

Galerie Junge Kunst zeigt Werke von Nina Nick und Valerie Buchow, über die Dada sich gefreut hätte.

„Konstitutiv der Möglichkeiten“, kurz „kdm“, nennen sich die beiden. Was hinter dem hochintellektuellen Namen des Künstlerinnen-Duos Nina Nick und Valerie Buchow steckt, die derzeit in der Galerie Junge Kunst in Trier ausstellen, muss erst mal geklärt werden. „Konstitutiv“ sei gleichbedeutend mit „als wesentliche Bedingung den Bestand von etwas ermöglichend“, teilt der Duden verschwurbelt mit. Da wirkt eine zweite Definition schon erhellender: „Konstitutiv“ sei, was „das Bild der Gesamterscheinung bestimmt“, also was elementar ist. Und da ist man dann mittendrin in der Arbeit der beiden Absolventinnen der Kunstakademie Düsseldorf. Dort am Rhein arbeiten die beiden Künstlerinnen auch weiterhin.

Die „Gesamterscheinung“, das ist in der Arbeit des Duos die Gegenwartsgesellschaft mit all ihren Errungenschaften, ihren falschen und echten Hoffnungsträgern, ihren Verwerfungen und Kuriositäten. Nicht zuletzt geht es um die soziale Kälte der modernen hochtechnisierten Gesellschaft. Sie alle spießt kdm in seinen bildhauerischen Arbeiten und Installationen auf, und das beherzt, fantasievoll und mit erfrischender Respektlosigkeit.

„Die Dinge aufs Korn zu nehmen, ist unser Ding“, bestätigt Nina Nick, und Valerie Buchow stimmt lachend zu. Um ihre  gesellschaftskritischen  Einsichten ästhetisch zu verhandeln, bedient sich das Duo der klassischen Methode der Irritation, mal ganz trocken gesagt. Das wäre dann allerdings wirklich nur eine konstitutive, sprich grundlegende Aussage: Was sich in der Trierer Schau mit ihren skurrilen Plastiken und Objekten unter dem Titel „Restwärme“ darstellt, ist eine ebenso witzige wie poetische Inszenierung, über die sich Dada gefreut hätte  und die mit heiterer Leichtigkeit vergegenwärtigt, was eigentlich tiefernst ist. Aufs Korn genommen wird, was dieser Zeit bedeutsam ist, von der  Sehnsucht nach dem fernen Weltraum oder den Neubekehrten der politischen Korrektheit  mit ihrem selbstgefälligen Pathos bis hin zur „rechten“ Biedermännlichkeit, die sich  in manch alltagsgrauer Strickjacke und manch häuslichem Gewerbefleiß verbirgt. Stolz mit Bauchbinde und der triumphalen Pose eines französischen Präfekten kommt das blaue Wasserfass mit den goldenen Solarzellenflügeln daher, in dem die titelgebende „Restwärme“ gespeichert wird. Oder in dem wahlweise das umweltfreundlich  gesammelte Regenwasser eben mit solcher Wärme erhitzt werden kann. Das Objekt darüber hat Weltraumambitionen.

Zur „Restwärme“ gehört allerdings auch die unerwünscht schwelende Glut, die dazu angetan ist, Brände auszulösen. Hier verbildlicht in einer ebenso bitterbösen, wie hintergründigen Arbeit. Mit zahllosen schwarz-weiß-roten Seiten aus einem alten Strickmagazin, auf denen jede Menge selbst gestrickt Graues zu sehen ist, haben die Künstlerinnen die große Galerie-Wand tapeziert. Im Strickliesel-Tableau in den Farben des Deutschen Reichs wie des Dritten Reichs entlarvt sich bürgerliche Spießigkeit als konstitutive Möglichkeit von Rechtslastigkeit und reaktionärer Haltung. Als kalter Kitsch und seelenlose Deko outet sich im hinteren Teil des Galerieraums gutbürgerliche Gemütlichkeit und ökologisches Bewusstsein. Vor  einer rosa Kachelwand lehnen stylisch ein paar chromblitzende Stämme. Da mag sich auch mancher Schottergarten-Besitzer wie zu Hause fühlen.

Die Ausstellung läuft bis zum 15. August. Geöffnet ist sie samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung, Telefon 0651/9763840; weitere Informationen auf: www.junge -kunst-trier.de