Gastbeitrag Frank Jöricke Schöpferische Zerstörung

Die Pandemie hat die Kultur in eine Krise gestürzt. Was geht verloren? Was ist schützenswert oder gar wesentlich für die Gesellschaft? In einer Serie lässt der TV Kulturmacher aus der Region zur Wort kommen. Heute stellt der Autor Frank Jöricke die provokante These auf, der Corona-Lockdown sei gut für die Kultur als Ganzes.

 Frank Jöricke, Autor aus Trier.

Frank Jöricke, Autor aus Trier.

Foto: Frank Jöricke/Michael Thielen

Es ist erst zwei, drei Generationen her, da rief das Wort „Künstler“ bei rechtschaffenen Bürgern Panik hervor. Eltern brach der Angstschweiß aus, wenn der Nachwuchs verkündete, er wolle Maler werden oder Sänger oder Schauspieler. All das galt als „brotlose Kunst“, die einen auf direktem Weg in die Gosse führte. Und volkswirtschaftlich betrachtet stimmte es auch. Der Markt für Künstler war überschaubar, Arbeitsplätze waren dünn gesät. Es gab die öffentlichen Theater und Opernhäuser, es gab in größeren Städten vereinzelt Galerien, und es gab die staatlichen Fernseh- und Rundfunksender, die sich einige Orchester leisteten. Was es nicht gab: eine freie Szene.