Gediegenes, vorsichtiges Handwerk

TRIER. (gkl) Bei den internationalen Orgeltagen im Trierer Dom hat in diesem Jahr Domorganist Josef Still den Blick ganz nach Osten gerichtet.

Still befindet sich dabei in bester Gesellschaft, haben die Präsidenten Polens, Alexander Kwasniewski, und Horst Köhler für die Bundesrepublik doch im April ein deutsch-polnisches Kulturjahr ausgerufen. Wenn auch die Orgeltage keine offiziellen Teilnehmer sind, so passte das letzte Konzert mit dem Warschauer Organisten Jerzy Dziubinski gut in diesen Kanon. Dziubinski hatte ein breit gestreutes Programm mit an die Mosel gebracht, in dessen Komponistenriege selbstredend seine Landsleute nicht fehlen durften. Sie waren durch eine Suite des Renaissancekomponisten Jakub Polak und Auszügen aus den "Improvisations pour orgue" von Mieczyslaw Surzynski vertreten. Daneben erklangen die erste Sonate von Paul Hindemith, Anton Heillers "Tanz-Toccata" aus dem Jahre 1970 und Camille Saint-Saëns "Prélude et fugue" in G-Dur, Opus 99/2, mit dem Dziubinski den Abend eröffnete. Das filigrane Klanggewebe des Prélude, bestimmt von zarten Streicherklängen, ließ schon erahnen, dass dieses Konzert nicht in die Gruppe der spektakulären Ereignisse gehören würde. Handwerklich sauber näherte sich der Solist vorsichtig und behutsam, fast schon zögerlich den einzelnen Werken. Offensichtlich wollte er die kompositorischen Inhalte von innen herauswirken lassen, verzichtete auf virtuose Registerwechsel und akrobatische Effekthascherei. Es kann sehr anerkennenswert sein, wenn sich der Interpret ganz in den Dienst des Werkes stellt, in diesem Fall aber wirkte es etwas akademisch. Selbst Heillers berühmte Toccata, oft als mitreißendes Finalstück eingesetzt, fehlte es am letzten Funken zündender Energie. Erst im Capriccio und der Toccata aus Surzynskis Opus 36 zeigte, dass im Schwalbennest nicht nur der dozieren Professor der Warschauer Musik-Akademie saß. Hier gelang es Dziubinski, seinen rund 250 Zuhörern seine Begeisterung für die Musik spürbar werden zu lassen. Schade. Das hätte mehr sein können. S Am nächsten Dienstag um 20 Uhr steht Tschechien im Mittelpunkt der Orgeltage. Solist ist Alefl Bárta aus Prag.

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