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Gefeierter Auftritt in Luxemburg von Marius Müller-Westernhagen (Fotostrecke)

Ein schöner Moment: Mit geschlossenen Augen lässt Marius Müller-Westernhagen seine Fans singen. TV-Foto: Jasmin Wagner
Ein schöner Moment: Mit geschlossenen Augen lässt Marius Müller-Westernhagen seine Fans singen. TV-Foto: Jasmin Wagner FOTO: (g_kultur
Esch/Luxemburg. Der Musiker ist 68 und hat immer noch eine unglaubliche emotionale Wucht. Jörg Pistorius

Es sind dieselben Worte wie vor 28 Jahren. "Alle, die von Freiheit träumen, sollen das Feiern nicht versäumen", singt Marius Müller-Westernhagen, und die 5000 Fans in der Rockhal im luxemburgischen Esch warten auf den reingerufenen Zusatz "So wie wir heute Abend hier!"
Er kommt auch tatsächlich, aber ruhig und geradezu mahnend. Denn es ist nicht mehr das Jahr 1989, in dem Westernhagens Live-Aufnahme von "Freiheit" mit dem berühmten Ausruf entstand. Der Sänger, Songschreiber, Schauspieler und Kultdüsseldorfer ist mittlerweile 68 und spielt im Sitzen auf einer Akustikgitarre. Trotzdem wirkt er auf die Fans wie eine heranrauschende emotionale Flutwelle. Das Publikum jubelt so laut, dass die herausragende Akustik in Luxemburgs bester Konzerthalle immer wieder kurz zurückweichen muss.
Viele Jahre lang hat Westernhagen "Freiheit" nicht mehr live gespielt. Die von ihm selbst nie gewollte Verbindung zur Wende und deutschen Wiedervereinigung, die viele Fans und Medien automatisch hergestellt haben, war ihm zu groß. Aber die heutigen Zeiten fordern wieder den Appell. "Freiheit, Freiheit. Ist das Einzige, was zählt." Der Mann mit dem Hut überlässt den Refrain den Fans. Die Leinwand zeigt, wie er die Augen schließt und den Gesang Tausender Stimmen über sich hinwegrollen lässt. Ein schöner Moment - an diesem Abend einer von vielen.
Die Basis dieses Abends ist eine simple Tatsache: Westernhagen hat so viele starke Songs geschrieben, dass sein mehr als zwei Stunden dauerndes Konzert wie eine riesige Zugabe wirkt. Schon als drittes Lied des Abends kommt "Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz", kurz darauf die wunderschöne Ballade "Lass uns leben". Alter Stoff - aber er funktioniert tadellos. Die Fans singen jede Zeile mit. "Dabei dachte ich ernsthaft, in Luxemburg kennt mich kein Schwein", sagt er. War wohl ein Irrtum.
Westernhagens Stimme ist stark und souverän, er singt, knurrt und röhrt in der für ihn typischen Art, ohne große Ermüdungserscheinungen erkennen zu lassen. Auch die hohen Lagen in "Heroes", einer Hommage an den verstorbenen David Bowie, hat der Mann mit der Gitarre kraftvoll raus. Sein Gesicht wirkt in der gnadenlosen Großaufnahme asketisch, seine Gestalt hager, aber seine größte Anstrengung an diesem Abend in Luxemburg ist es offenbar, ruhig sitzen zu bleiben, während sein Publikum abgeht.
Seine Rolle als Chef auf der Bühne wird in vielen kleinen Gesten deutlich. Ein Blick in diese Richtung, eine Handbewegung in die andere. Marius Müller-Westernhagen hat eine Band aus elf Musikern, viele von ihnen absolute Meister ihres Fachs - allen voran der Ostfriese Carl Carlton. Der Mann mit der riesigen Nase ist selbst eine Legende als Gitarrist, Komponist und Produzent und hat von Peter Maffay über Nina Hagen bis zu Wolfgang Niedecken und Udo Lindenberg schon mit vielen Großen der deutschen Szene gespielt.
Westernhagen hat seine neue Frau an seiner Seite - die Südafrikanerin Lindiwe Suttle. Das Paar hat im Juli in Berlin geheiratet. Der Star des Abends ist stolz wie Bolle. "Ich stelle euch jetzt eine tolle Sängerin vor", sagt er. "Im Nebenberuf ist sie meine Frau." Zusammen singen sie "Luft, um zu atmen."
Und sonst? Alles dabei. "Sexy" mit einer starken Instrumentalverlängerung, "Wieder hier", "Es geht mir gut", "Johnny Walker", "Mit 18" inklusive der Mitgrölzeilen "Ich will zurück auf die Straße / Möchte wieder singen, nicht schön, aber geil und laut" und eine neu arrangierte Version von "Willenlos", die man erst beim Einsetzen des Gesangs erkennt. "Ihr Name war Carmelita …"
Zusammen mit "Freiheit" kommt am Schluss auch der "Taximann". Die Rockhal wackelt.