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Gefühl ist alles

Ansgar Skiba präsentiert seine „Welle“. TV-Foto: Eva-Maria Reuther
Ansgar Skiba präsentiert seine „Welle“. TV-Foto: Eva-Maria Reuther
Eine ausgesprochen interessante Ausstellung zeigt das Georg-Meistermann-Museum in Wittlich. Als "Verführungen" feiert Ansgar Skiba dort die Farbe als Bildträger seiner Gefühlswelt.

Wittlich. (er) Das ist der große Zwiespalt der Romantik: Der Sehnsucht nach der weiten Weltenferne steht die Lust an der Idylle gegenüber. Ansgar Skiba ist so eine Art zeitgenössischer Romantiker. Weit in die Welt hinaus hat es ihn gezogen und doch ist er nicht ohne den blühenden Garten seiner Kindheit im heimatlichen Radebeul bei Dresden denkbar, wo er aufgewachsen ist. Den Garten hat der Maler in Form von 1000 Blumenzwiebeln nach Düsseldorf, seinem heutigen Wohnort, mitgenommen. Das Fernweh ist ihm längst zur zweiten Natur geworden. In der Wittlicher Ausstellung wird der Besucher zum Reisebegleiter des 1959 geborenen Künstlers. Wer durch die Gartenpforte tritt - sprich den ersten Ausstellungsraum im Obergeschoss verlässt - macht sich auf in die weite Welt zu Fjorden, Sonnenuntergängen und Mittsommernächten. Am Ende stehen Gebirge, Gletscher und jene grandiose Welle, deren legendäre Vorfahrin die Welt im Werk des Japaners Hokusai bewundert. Ohne Zweifel ist auch Skibas späte Nachfahrin das großartigste Bild der Wittlicher Schau. Den von der Bilderreise zwischen heiligem Schaudern und heißer Glut, zwischen kühlen und warmen Farben womöglich erschöpften Wanderer erfrischen unterwegs poppig-bunte Eisbecher und Tortenstücke, die so süß aussehen, dass man sich schon vom Hingucken den Magen verdirbt. "Ich male, was ich als Gegenstand fassen kann und was in mir an Eindrücken ist", sagt Skiba. Und doch ist der Künstler kein Gegenständlicher, auch wenn sein reliefartiger Farbauftrag Greifbarkeit vermittelt. "Gefühl ist alles" - das romantische Glaubensbekenntnis gilt für Skiba ebenso wie für Leonardos berühmtes Wort von den Augen als Fenster der Seele. Skiba sieht durch diese Seelenfenster. Durch ihren Blick entsteht die Welt als neues Bild, als vielfarbiger Ausdruck des Gefühls im nicht endenden Farbfluss. Bis 27. Juli, Di-Fr 10-12 Uhr u. 14-17 Uhr, Sa 11-17 Uhr sowie Sonntag u. Feiertage 14-17 Uhr, Telefon: 06571/14660.