Gefühlvoll an die Spitze gespielt

Trier · Julian Pinn aus Trier ist einer der besten Nachwuchspianisten der Region. Er hat den erstmals vom Verein "Freunde künstlerischer Museumsveranstaltungen Trier" ausgeschriebenen Wettbewerb für junge Klavierspieler gewonnen. Neun junge Musiker aus der Region spielten der Jury je drei virtuose Stücke vor. Die besten drei geben ein Preisträgerkonzert im Museum am Dom.

 Die strahlenden Sieger des Wettbewerbs: Lisa Graf aus Temmels, Simon Moritz aus Nennig und Julian Pinn aus Trier. TV-Foto: Mechthild Schneiders

Die strahlenden Sieger des Wettbewerbs: Lisa Graf aus Temmels, Simon Moritz aus Nennig und Julian Pinn aus Trier. TV-Foto: Mechthild Schneiders

Die Töne perlen, schnell fliegen Julian Pinns Finger über die Tasten. Locker und entspannt sitzt der 16-Jährige auf dem Klavierhocker, spielt souverän vor 50 Zuhörern die Etüde von Johann Baptist Cramer. Von Aufgeregtheit keine Spur. Anders einige der anderen acht Teilnehmer des ersten Trierer Wettbewerbs für Nachwuchspianisten des Vereins "Freunde künstlerischer Museumsveranstaltungen Trier" in der Karl-Berg-Musikschule in Trier.

Anfangs noch merklich nervös, wird Ai Thao Le immer sicherer. Vor ihrem Auftritt lässt ihre Lehrerin Ketevan Rukhadze die Zwölfjährige noch einmal die schnellen Läufe der Etüde Nr. 15 von Czerny üben. Die müssen sitzen beim Vorspielen. Denn die Anforderungen an die Jugendlichen sind hoch: eine virtuose Etüde - ohne Notenblatt vorgetragen, der Hauptsatz einer klassischen Sonate und ein Stück freier Wahl. "Der Wettbewerb soll einen gewissen Anspruch haben", sagt Ausrichter Wolfgang Manz, Professor für Klavier an der Musikhochschule Nürnberg-Augsburg.

Julian hat Präludium und Fuge in G-Dur von Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch gewählt. "Ich wollte unbedingt etwas von ihm spielen", sagt der 16-Jährige aus Trier-Kernscheid. "Und die Beethoven-Sonate ist eine technische Herausforderung." Beeindruckend spielt er den Wechsel zwischen ruhigen, leisen Tönen und dem kraftvollen Spiel im ersten Satz der Sonate in C-Dur.

Caiwei Liu hat sich an Debussy gewagt. Sie nutzt die gesamte Länge der Tastatur, ihre Hände überkreuzen sich mehrfach. "So ein Wettbewerb ist eine gute Erfahrung, vor Publikum zu spielen und sich mit Partituren zu beschäftigen", sagt die 15-Jährige aus Trier, die neben Blockflöte seit der Grundschulzeit Klavier spielt. "Die neuen Stücke sind eine Herausforderung", sagt Julian.

Ai Thao meistert den ersten Satz von Mozarts Sonate in C-Dur, bevor sie sich an eines von Felix Mendelssohn Bartholdys "Lied ohne Worte" macht - ein getragenes Stück, das die Zwölfjährige mit viel Gefühl intoniert. Was umso erstaunlicher ist, als dass sie erst seit zwei Jahren Klavier spielt. Julian übt seit zehn Jahren Klavier - ein bis zwei Stunden täglich. "Klassik ist meine Lieblingsmusik", gesteht er.

Für ihn hat sich der Nachmittag gelohnt. Die Jury, bestehend aus Wolfgang Manz, dem Pianisten Georgi Mundrov und dem Kulturjournalisten und TV-Mitarbeiter Gerhard Kluth, fanden Julian war spitze, noch vor Simon Moritz (13) aus Nennig und Lisa Graf (12) aus Temmels. "Bewertet haben wir rhythmische Vitalität, Ausdrucksvermögen, Pedalisierung sowie technische und musikalische Beherrschung des Instrumentes", sagt Manz. Alle drei Gewinner werden am Freitag, 5. November, 20 Uhr, in den Freitagskonzerten im Museum am Dom das Preisträgerkonzert bestreiten.

Die weiteren Teilnehmer, Anna-Maria Arsenyan (12), Trier, Julian Philipp Häußermann (19), Bad Kreuznach, Natalja Lansch (15), Aach, Anastasiya Sultanova (13), Trier-Kürenz, sollen sich, so Manz, nicht entmutigen lassen.

"Der Wettbewerb ist die Motivationsspritze. Ich möchte, dass sich Jugendliche mit Musik beschäftigen", sagt der 50-Jährige. Es sei eine attraktive Veranstaltungsform, die die Aufmerksamkeit und die Interessen vieler zusammenbringe. "Ich bin überrascht über die Leistungen. Ich hoffe, dass das der Anfang für eine Reihe ist."

Extra

Für den Wettbewerb der Nachwuchspianisten konnten sich junge Musiker unter 20 Jahren bewerben, die ihren Wohnsitz in Trier und Umgebung haben und sich in der Schulausbildung befinden. Anforderungen waren eine Etüde von Czerny, Cramer-Bülow oder Chopin, ein Hauptsonatensatz von Clementi, Haydn, Mozart oder Beethoven sowie ein Stück freier Wahl.Teilnehmer hatten 20 Minuten Zeit, die Stücke unter Konzertbedingungen vorzutragen. Der erste Preis beinhaltet eine Förderung in Höhe von 500 Euro, der zweite 300 und der dritte 200 Euro. Info: Karl-Berg-Musikschule, Pia Langer, Domfreihof 1b, Trier, Telefon 0651/718-1440. (mehi)