Geheime Zeichen

TRIER. (DiL) Der kuriose Verlauf der letzten Opern-Premiere bei den Antikenfestspielen sorgt für Nachwehen. Das Orchester hat inzwischen dementiert, die Aufführung von "Ariadne auf Naxos" aufgrund des Regens in Eigeninitiative unterbrochen zu haben. Es habe zuvor ein kaum sichtbares Signal des Dirigenten Istvan Dénes gegeben.

Auch Dénes bekundete gegenüber dem TV, er habe eine Art "Geheimzeichen" in Richtung des Orchesters gemacht. Weil es kaum jemand gesehen habe, habe das zu "Missverständnissen" geführt und zu dem Eindruck, das Orchester sei bereits aufgestanden, bevor der Dirigent dann für alle sichtbar den Schlusspunkt setzte. In der Tat scheinen nicht nur dem Publikum die geheimen Zeichen des Generalmusikdirektors entgangen zu sein. Auch viele Beteiligte auf der Bühne hatten offenkundig das Gefühl, die Musiker seien ihnen buchstäblich davongelaufen. Tenor Gor Arsenian sang sogar einsam weiter, bevor ihn das Tohuwabohu und der dritte Wink des Dirigenten vor bereits geleerten Orchesterstühlen stoppte. Selbst Orchestermusiker waren noch Tage nach dem Konzert der Meinung, sie selbst - und nicht der Dirigent - hätten den Auftritt beendet. Das sei ein "Irrtum", sagt Ursula Heckmann vom Orchestervorstand, einzelne Musiker hätten wohl Dénes' unauffällige Handbewegung "nicht sehen können" und sich an den aufstehenden Kollegen orientiert. Das Orchester habe keineswegs auf einem Abbruch bestanden. "Wir hätten weitergespielt", sagt Heckmann und verweist darauf, dass die Philharmoniker auch bei früheren Festspielen dem Regen trotzten. Warum der Dirigent dann angesichts der wenigen Tropfen die Vorstellung abbrach, was dazu führte, dass ein Großteil des Publikums nach Hause ging, kann er selbst nicht so genau sagen. Er habe "lange mit sich gekämpft", sagt Istvan Dénes. Er habe nicht ausschließen können, "dass vielleicht ein Gewitter kommt". Theater-Chefdramaturg Peter Oppermann räumt ein, das Krisenmanagement nach der plötzlichen Unterbrechung sei "nicht optimal gelaufen". Das Publikum hatte keine wahrnehmbaren Informationen über den weiteren Verlauf erhalten. Viele sahen, dass Musiker mit ihren Instrumentenkoffern die Kaiserthermen verließen und schlossen daraus, es werde keine Fortführung geben. Als nach einer Viertelstunde weiter gespielt wurde, blieben zwei Drittel der Plätze leer. Bundesweite Agenturmeldungen sprachen sogar von einem "Abbruch" der Premiere. Gelegenheit, die Scharte auszuwetzen, gibt es am Wochenende gleich zwei Mal: Heute abend um 21 Uhr steigt die zweite Vorstellung der "Ariadne". Morgen, Sonntag findet um 21 Uhr das Festkonzert unter dem Titel "Römische Nächte" mit Musik von Berlioz, Beethoven, Schumann und Bizet statt. Gastsolistin ist die hoch gehandelte junge Geigerin Sophia Jaffé. Karten gibt es noch der Abendkasse.

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