Geheimnisvolle Botschaften

Luxemburg · Nach der Eröffnung mit Klanginstallationen in der Stadt Luxemburg konzentrierten sich die „rainy days“ zunächst wieder auf den Konzertsaal – mit einem Orchesterkonzert und zwei beeindruckenden Kammerkonzerten.

(mö) Botschaften sind es alle - mal deutlich und nachvollziehbar, mal fremd und geheimnisvoll, mal offensiv und überwältigend und mal versteckt und kaum wahrnehmbar. Was die diesjährigen Luxemburger „rainy days“ an Kompositionen, Klang-Installationen und multimedialen Ereignissen präsentieren, passt auf eine oder andere Weise zum Motto „Flaschenpost“ – einstiger Schlüsselbegriff der Frankfurter Schule um Max Horkheimer und Theodor W. Adorno, den Festival-Organisator Bernhard Günther aufgegriffen hat und neu interpretiert.

Das betrifft nicht nur die Eröffnungsveranstaltung am Freitag, in der die Besucher in die Stadt ausschwärmten und sich unter dem Titel „Trouvailles“ – „Fundstücke“ auf die Suche nach neun Klanginstallationen und 32 Performances machten. Botschaften, manchmal rätselhafte, waren auch die Werke der folgenden, eher traditionellen Konzerte in der Philharmonie. Ferrucio Busonis „Tanzwalzer“ und dessen Spannung zwischen wienerischem Schwung und symphonischem Gewicht oder Roman Haubenstock-Ramatis „Symphonie K“ mit ihren bedrohlichen gelegentlich apokalyptischen Klangballungen wollen nicht nur wahrgenommen, sondern gedeutet, interpretiert, aktiv mitvollzogen werden. Mit den „Messages“ und den „New Messages von György Kurtag gelang dem exzellent musizierenden „Orchestre Philharmonique du Luxembourg“ und dem gleichermaßen detailfreudig und ausdrucksbewusst dirigierenden Emilio Pomárico sogar ein Glanzstück. Elf verschlüsselte Mitteilungen, elf wunderbar ausgehörte, ganz individuell gestaltete Miniaturen, die sich zueinander verhalten wie Variationen über ein imaginäres Thema. Elf großartige Momente von beklemmender Dichte und manchmal überirdischer Schönheit. Was Wunder, dass danach an Janaceks Suite „Aus einem Totenhaus“ vor allem die redselige Theatralik hervorstach.

•„Rainy days“ noch bis zum 6. Dezember in der Philharmonie und in der Stadt Luxemburg. www.rainydays.lu

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