Gelassenes Darüberstehen

Wittlich · Mit einem feinsinnigen Akustik-Trio-Konzert hat Carla Bley 180 Besucher in der Synagoge Wittlich verzaubert. Der Auftritt der Jazz-Piano-Ikone mit ihrem Lebensgefährten Bassist Steve Swallow und Saxofonist Andy Sheppard war Teil des Festprogramms zum 20jährigen Bestehen des Jazzclubs Wittlich.

 Abgeklärt auf dem Gipfel eines Lebenswerks präsentiert sich Carla Bley in Wittlich. TV-Foto: Anke Emmerling

Abgeklärt auf dem Gipfel eines Lebenswerks präsentiert sich Carla Bley in Wittlich. TV-Foto: Anke Emmerling

Wittlich. "Zenit" ist der Begriff, der den Konzertabend in der Synagoge Wittlich gleich zweifach charakterisiert. Er bezeichnet die Stellung, die der Gastgeber Jazzclub Wittlich in zwanzig Jahren ehrenamtlichem Engagement als Kulturträger der Stadt Wittlich erreicht hat - sie ist jüngst mit der Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz für die Vorsitzende Hildegard Adams gekrönt worden. Er bezeichnet aber auch den Eindruck, den Stargast Carla Bley hinterlässt.
Mit 75 Jahren tritt die weltbekannte Musikerin, die stilistische Umbrüche im Jazz ab den 1960er Jahren durch innovative Ideen geprägt hat, mit einer Aura gelassenen Darüberstehens auf. Völlig unprätentiös ist das Programm zu ihrer neuen Akustik-CD "Trios", das sie mit Steve Swallow und Andy Sheppard auf der Bühne zelebriert. Mit unverstärkten Instrumenten liefern die Drei aufs Wesentliche konzentrierte Klänge, eine Quintessenz dessen, was Bauch und Seele berührt. Das sind vor allem zu Beginn sehr sachte und zarte Töne, gegossen in klare, fast minimalistische Muster. Durch Pausen voneinander abgesetzt reihen sich einzelne, stimmungsbildende Akkorde und kleine, harmonische Melodiesequenzen in Wogen aufwallend und abebbend aneinander.
Carla Bley schlägt ihre Tasten ganz weich an. Steve Swallow verzichtet auf markantes Hämmern der Basssaiten, zupft sie stattdessen wie eine Gitarre. Und Andy Sheppard lässt mehr den Atem als Töne aus seinem Saxofon sprechen. Kein virtuoser Schnickschnack, keine Effekthascherei, einfach nur Musik mit einer Ausstrahlung von Milde und Weisheit. Bestechend, wie die Musiker und ihre Instrumente dabei als symbiotischer Organismus funktionieren. Mit der Zeit gewinnt ihr Programm durch Walzer-, Latin- oder Blues-Rhythmen an Dynamik, ohne jedoch seinen entspannenden Gesamt-Charakter zu verlieren. Das Publikum quittiert es mit stehenden Ovationen.
Für das nächste Konzert des Jazz-Meetings zum 20jährigen Bestehen des Jazzclubs Wittlich hat sich eine krankheitsbedingte Änderung ergeben: Statt des Eddie Palmieri Latin Jazz Septetts wird am Freitag, 18. Oktober um 20 Uhr im Hotel Lindenhof, Wittlich, die Dizzy Gillespie Afro Cuban Experience auftreten. ae

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