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Gelungene Architektur rund um den Weinbau

 So soll es sein: Der moderne Anbau fügt sich an das historische regionaltypische Bruchsteingebäude bei der Weinwerkstatt des Weingutes Lubentiushof in Niederfell. Foto: Architektenkammer Rheinland-Pfalz
So soll es sein: Der moderne Anbau fügt sich an das historische regionaltypische Bruchsteingebäude bei der Weinwerkstatt des Weingutes Lubentiushof in Niederfell. Foto: Architektenkammer Rheinland-Pfalz
Trier. Zeitgenössisches ist auch in der Weinarchitektur gefragt, wie eine Ausstellung zum Architekturpreis Wein 2010 belegt. Josef Peter Mertes, der Präsident der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Rheinland-Pfalz (ADD), eröffnete die Schau im Kurfürstlichen Palais. Von unserer Mitarbeiterin Eva-Maria Reuther



Jeder weiß das: Weindörfer und Weingüter sehen an der Mosel anders aus als in der Pfalz oder gar in Südtirol. Weingüter und Weinhöfe sind weithin Zeugnisse der Regionalarchitektur. Sie prägen das unverwechselbare Bild ihrer vom Weinbau geprägten Landschaft. Dass die über Jahrhunderte gewachsene Baukultur als kulturelles Erbe nicht nur erhalten bleiben soll, sondern sich auch bestens vermarkten lässt, hat sich längst herumgesprochen.Wettbewerb läuft alle drei Jahre bundesweit



Bauen bedeutet dann meistens bauen im Bestand. Architektur beschränkt sich dabei fast immer auf rückwärts gewandte An- und Umbauten voller historischer Zitate. Was fehlt, sind zeitgenössische Architekturbeiträge zur Weinkultur, die in einer aktuellen Formensprache auf ihr traditionelles Umfeld und seine Landschaft eingehen, und zudem den Raumanforderungen und der technischen Infrastruktur des modernen Weinbaus sowie aktuellen Vermarktungsstrategien gerecht werden. Denn auch die haben etwas mit Architektur zu tun.

"Gute Architektur macht gute Geschäfte", weiß Stefan Musil, der Präsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz. Mit dem jungen Architekturpreis Wein wurde 2007 ein Anreiz geschaffen, mehr zeitgenössische "Weinarchitektur" zu wagen. Alle drei Jahre wird der Wettbewerb gemeinsam vom rheinland-pfälzischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, dem Deutschen Weinbauverband und der Architektenkammer Rheinland-Pfalz bundesweit ausgelobt. 58 Projekte haben sich um den Preis 2010 beworben. Mehr als ein Dutzend wurden dafür nominiert. Sie werden derzeit in einer Ausstellung im Kurfürstlichen Palais in Trier vorgestellt.

"Genau der richtige Ort", sagt Hausherr Peter Josef Mertes mit Blick auf das Palais als Zeugnis einer traditionsreichen Architekturgeschichte der Region. Denn: "Weinbau und Architektur sind geborene Partner." Unter den gezeigten Projekten, von denen fünf mit gleichrangigen Preisen und neun weitere mit Auszeichnungen gewürdigt wurden, sind neben Weingütern und Wirtschaftsgebäuden auch ein Weinkulturhaus, Vinotheken und ein Weinhotel.

Ein besonders reizvolles preisgekröntes Bauvorhaben steht in der Moselregion. Es ist die Weinwerkstatt des Weingutes Lubentiushof in Niederfell. Der gelungene Neubau fügt sich perfekt in sein dörfliches Umfeld ein und nimmt die Baugestalt des Haupthauses auf. Die verschlossene Bruchsteinfassade des Hauses wird in der Werkstatt allerdings durch eine Glaswand ersetzt, die den Bau licht und weltoffen macht.

Vorbildlich: auch das in den Hang gebaute Weingut Holger Koch in Vogtsburg-Bickensohl. Feinsinnig nimmt die Vinothek des Weingutes Max Müller I in Volkach als Ornament die barocken Formen des vorhandenen Baubestands auf. Überhaupt ist die Mehrzahl der gezeigten Projekte formal gelungen.

Nicht immer ist die Architektur innovativ. Vielfach übernimmt sie Vorbilder aus der klassischen Moderne, wie etwa die ebenfalls prämierte gläserne Tagungs- und Verkaufshalle des Hessischen Staatsweingutes Kloster Eberbach. Das macht die Bauten zuweilen beliebig. In manchem Verkaufsraum könnte man statt Wein ebenso gut Handtaschen präsentieren. Auch eine der Auszeichnungen ging in die Region an Beckers Hotel&Restaurant in Trier-Olewig. Der gut gestaltete Bau, der sich wie ein mächtiger Riegel in die kleinteilige Dorfstruktur schiebt, ist städtebaulich allerdings fragwürdig.

Die Ausstellung ist bis zum 5. April im Kurfürstlichen Palais in Trier zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 9 bis 16 Uhr, Telefon 0651/9494-0.