Generalmusikdirektor oder Spartenleiter am Theater? Die Stadt bleibt in der Sache des Chefdirigenten hart

Generalmusikdirektor oder Spartenleiter am Theater? Die Stadt bleibt in der Sache des Chefdirigenten hart

Victor Puhl, noch bis Ende der Spielzeit Generalmusikdirektor, hatte seine Bewerbung um die neue Chefdirigentenposition mit der Erwartung verknüpft, dass seine Kompetenzen als GMD nicht beschnitten würden. Stadt und Intendant indessen bleiben in dieser Sache hart: Der Chefdirigent sei nur einer von insgesamt vier Spartenleitern unter Führung des Intendanten. Ein Konflikt mit dem Orchester ist nicht ausgeschlossen.

Trier. Die Auseinandersetzung um die Position des Chefdirigenten in der künftigen "Theater Anstalt öffentlichen Rechts" geht in eine neue Runde. Der amtierende Generalmusikdirektor Victor Puhl hatte seine Bewerbung um die Chefdirigenten-Position mit der Erwartung verknüpft, dass seine Kompetenzen nicht beschnitten würden.
Dem widersprach die Stadtverwaltung entschieden. Kulturdezernent Egger betonte im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund, dass an der bereits beschlossenen Konstruktion nichts geändert werde. Die Führung des Theaters werde künftig aus eigenverantwortlichen Spartenleitern für Schauspiel, Oper, Tanz und Konzert bestehen - alle unter der Gesamtverantwortung des weisungsberechtigten Intendanten.
Als Spartenleiter Konzert wäre dann auch der Chefdirigent, auf dessen Position sich Puhl bewirbt, den übrigen Leitern gleichgestellt und dem Intendanten in allen Belangen untergeordnet. Aktuell hat der Generalmusikdirektor in wichtigen Bereichen die volle Autonomie - bei Differenzen mit dem Intendanten entscheidet der Kulturdezernent. Nach Angaben von Egger besteht die Stadt auf einem regulären Bewerbungsverfahren und schließt Probedirigate dabei nicht aus.
Intendant Karl Sibelius hält mit fast gleichen Begründungen an der vorgesehenen Leitungsstruktur fest. Da man eine Spartenleiterin Oper eingestellt habe, könne der Chefdirigent zudem nicht mehr für die Oper zuständig sein. Im Übrigen gebe es für das Orchester bei der Einstellung des Chefdirigenten ein Mitspracherecht. Sibelius betonte allerdings, es gebe kein Vetorecht, und neben anderen Verfahrensbeteiligten habe er nur eine Stimme.
Der Vorstand des Philharmonischen Orchesters zeigte sich von diesen Reaktionen enttäuscht, aber nicht unbedingt überrascht. Er verwies auf den Offenen Brief vom Juli. Dort heißt es unter anderem: "Die Musikerinnen und Musiker des Philharmonischen Orchesters der Stadt Trier sprechen sich einstimmig für eine weitere Zusammenarbeit mit ihrem Generalmusikdirektor Victor Puhl und für seine Vertragsverlängerung als GMD aus." Dieser Stellungnahme sei zurzeit nichts hinzuzufügen, heißt es jetzt aus dem Vorstand. Damit haben alle Seiten ihre Positionen zementiert.
Einzig Victor Puhl signalisiert Gesprächsbereitschaft. "Ich stehe weiter zur Verfügung", erklärt der amtierende Generalmusikdirektor gegenüber dem TV und präzisiert seine eigene Position: Für ihn persönlich sei mit seiner Bewerbung das Verfahren um die Besetzung der Chefdirigenten-Stelle abgeschlossen. Auf einer Sitzung im Sommer sei ihm vom Kulturausschuss signalisiert worden, dass er seine GMD-Kompetenzen in die neue Chefdirigenten-Position mitnehmen könne. Er jedenfalls sei bereit zum Kompromiss und zur Kooperation.Meinung

Heraus aus den Schützengräben!
Nichts geht mehr. Kulturdezernent, Intendant und Orchester haben sich in ihre Schützengräben zurückgezogen. Einzig der Hauptbetroffene, Victor Puhl, signalisiert Bereitschaft zum Ausgleich. Wie der aussehen könnte, verrät er allerdings auch nicht. In dieser Situation hilft nur eine einfache Einsicht: Es geht in allererster Linie um die Zukunft des Trierer Theaters. Die droht nämlich im allgemeinen Hickhack verloren zu gehen. "Wenn zwei Elefanten kämpfen, ist es vor allem das Gras, das leidet", sagt man in Afrika. Das will von den Kontrahenten sicherlich niemand. Diese Einsicht sollte Anlass sein, kulturpolitische Entscheidungen zu überprüfen und vielleicht zu revidieren. Es ist falsch, mit der Brechstange und gegen die entschiedene Stellungnahme betroffener Künstler eine neue Struktur durchzusetzen. Es ist falsch, am grünen Tisch mit durchsichtigen Argumenten und ohne Blick auf bestehende Fähigkeiten und Verdienste Führungsansprüche zu befriedigen. Andererseits kann es in der prekären Situation, in der sich das Theater befindet, auch keine festgefügten Positionen geben. Auch das Orchester muss sich immer wieder selber kritisch befragen. Victor Puhl hat jetzt erneut ein Signal gesetzt. Er hat noch einmal und wie immer in den letzten Monaten betont: Wenn im Theater Neues erprobt wird, bin ich dabei! Wenn der erfolgreichste Trierer GMD der letzten 47 Jahre seinen Willen zur Mitarbeit im neuen Team bekundet, müssten eigentlich alle Beteiligte in lauten Jubel ausbrechen. Dann müsste es doch möglich sein, Leitungsstrukturen so zu verändern, dass Puhl mit seinem großen künstlerischen Potenzial ohne Abstriche integriert werden kann. Das geht allerdings nur, wenn alle Kontrahenten den Ausgleich auch wollen. Die Trierer Kulturpolitik steht vor einer großen Aufgabe. kultur@volksfreund.de

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