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Genuss für Ohr und Auge

Trier. Musik und Tanz gehören untrennbar zusammen, vor allem im Barock. Das Mosel Musikfestival hat mit "La belle Danse" an einem besonderen Ort zum Tanz aufgespielt. 150 Besucher im Trierer Landesmuseum waren hingerissen von zeitgenössischen Kompositionen und Choreographien. Mechthild Schneiders

Trier. Fröhliche, verspielte Flötentöne erklingen. Ein leichter Lauf, der direkt in die Beine geht. In die Beine von Anouk Mialaret und Jean-Marie Belmont. Sie halten sich an den Händen und hüpfen im Takt. Zuvor haben sie umeinander herumgetanzt, sich umeinander gedreht, erst langsam zueinander gefunden. Nicht nur das Menuett von André Joseph Exaudet, welches das vierköpfige Ensemble Le Concert Lorrain spielt, stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, auch die Choreographie ist von einem Zeitgenossen: Claude-Marc Magny. Unkapriziöser Tanz zur schnörkellosen Musik für ein einfaches Dorffest. Passend dazu farbenfrohe grün-türkise Kostüme.
Mit den getanzten barocken Klängen schafft es das Mosel Musikfestival erneut, in der Reihe "Nachts im Museum" eine ausgefallene Kombination auf die Bühne zu bringen. Ganz nach dem Motto des Landes-Kultursommers erleben die 150 Gäste im Rheinischen Landesmuseum in Trier Kultur mit allen Sinnen; Ohren und Augen sind gleichermaßen gefordert. Aber auch die Spannung zwischen den Tänzern, die Energie der Klänge und Bewegungen sind spürbar. Prunkvoll ist die Kleidung bei höfischen Bällen. Die Dame, ganz in Rosé, trägt selbst beim Tanz ein enges Mieder zum weiten Rock, der an der Hüfte gerafft ist; der Herr trägt weiße Strümpfe unter knielangen Hosen und einen langen Herrenrock - alles in feudalem Rot. Mialaret und Belmont hüpfen nicht mehr, sie schreiten. Majestätisch gleiten sie über die Bühne, verkörpern ganz "l\'air noble", die noble Haltung, auf die Louis XIV. an seinem Hof so großen Wert gelegt hat. Auch diese Tänze sind von zeitgenössischen Choreographen überliefert.
Tänzer und Musiker gefordert


In den Tanz- und Umkleidepausen spielt Le Concert Lorrain mit Leonard Schelb (Traverso), Swantje Hoffmann (Violine), Cellist Stephan Schultz und Sabina Chukurova am Cembalo Sonaten, ja ganze Ballette, viele von Joseph Bodin de Boismortier (1689-1755). Getragene und schnelle Partien wechseln sich ab - Herausforderung und Ruhepausen für Musiker und Tänzer. Herausragend: Boismortiers Sonate für Violoncello und Basso Continuo, dessen Part Chukurova am Cembalo übernimmt, während Schultz die Solostimme spielt. Besonders anspruchsvoll: das lebhafte Allegro und das irre Tempo des "Giga Staccato", für das der Cellist Bravo-Rufe erntet.
Gemächlicher wird es beim "Tanz in der Oper". Golden glänzen die Gewänder, eleganter noch, aber auch kraftvoller die Schritte, auf die, wie Belmont auf Französisch erläutert, das klassische Ballett zurückgeht - nur Sprünge und Hebefiguren fehlen. Hier tanzen die Partner auch solo, dann schweben sie wieder gemeinsam über das Parkett - ein Genuss für alle Sinne.