Mosel Musikfestival: Gesänge für das ganze Leben

Mosel Musikfestival : Gesänge für das ganze Leben

„Kein schöner Land“ heißt es bei der Eröffnung des Mosel Musikfestivals, das am Samstag mit einem Volkslieder-Projekt  in St. Maximin in Trier startet.

 Ein Repräsentationskonzert ist der Start des Mosel Musikfestivals (MMF) am 13. Juli in Trier-St.-Maximin sicher nicht – und auch keine verkappte Nostalgie-Veranstaltung. Mit deutschen Volksliedern und dem Titel „Kein schöner Land“ eröffnen der Knabenchor Hannover und die Blechbläsergruppe Canadian Brass statt dessen den Zugang zu einem halb vergessenen Schatz.

„Auf einem Gesangkurs von Brigitte Fassbaender im Jahr 2002 sollte jedes Mitglied der international geprägten Teilnehmergruppe ein Volkslied aus der Heimat vortragen“, erzählt MMF-Intendant Tobias Scharfenberger. „Für die meisten war das kein Problem. Nur die deutschen Sängerinnen und Sänger hatten Schwierigkeiten, überhaupt ein Lied für ihren Vortrag zu finden.“

Im Umgang mit dem Volksgesang tun sich im deutschen Musikleben mittlerweile erhebliche Defizite auf. Volkslieder spielen im häuslichen Musizieren fast keine Rolle mehr. Und auch in den Chören muss der Umgang mit dem kostbaren Liedgut  wieder mühsam erlernt werden.

Dabei ist es keine Frage: Der Begriff des deutschen Volkslieds ist historisch-politisch belastet. „In der deutschen Vergangenheit wurde Musik systematisch als Propagandainstrument missbraucht“, sagt Jörg Breiding, Dirigent des Knabenchors aus Hannover,  im Interview mit dem Journalisten Jan-Geert Wolff. Mittlerweile jedoch haben viele Musiker und noch mehr Amateure hinter den Fassaden der Nazi-Vergangenheit die Schönheiten dieser Lieder wiederentdeckt.

2010 startete der Stuttgarter Carus-Verlag ein „Volkslieder-Projekt“. Der Knabenchor Hannover hat die Initiative  aufgegriffen und gemeinsam mit dem Komponisten Andreas N. Tarkmann ein Konzertprogramm erarbeitet, das Volksmusik in modernen und kitschfreien Arrangements präsentiert. In Potpourris zu Seemannsliedern, Tierliedern, Abendliedern und Handwerker-Liedern werden Volkslieder thematisch gebündelt. Hinzu kommen Stücke aus Robert Schumanns Klavierzyklus „Kinderszenen“ in modernen Übertragungen.

Für den rheinland-pfälzischen Kultursommer und dessen Motto „Heimat“ kommt dieses Programm gerade recht. Und ganz zu Beginn berührt Wilhelm von Zuccalmaglios Heimatlied „Kein schöner Land in dieser Zeit“ genau den Bereich, in dem sich Volkslied und Kunstlied begegnen. Chorleiter Jörg Breiding: „Mich begeistert, dass gerade Volkslieder Inhalte vermitteln, die ganz nah am persönlichen Leben und Erleben der Menschen sind: Liebe, Freude und Leidenschaft, aber auch Abschied, Sehnsucht und Traurigkeit. Diese Verse und Melodien können uns durch das ganze Leben begleiten.“

Tobias Scharfenberger. Foto: TV/Katharina de Mos
... und der Blechbläsergruppe Canadian Brass. Auf dem Programm stehen fast vergessene musikalische Schätze. Foto: Daniel d`Ottavio

„Kein schöner Land. Deutsche Volkslieder“. Eröffnungskonzert des Mosel Musikfestivals am Samstag, 13. Juli, 18 Uhr, Trier-St.-Maximin. Knabenchor Hannover, Canadian Brass. Leitung Jörg Breiding. Konzerteinführung mit Harald Schwaetzer um 16.30 Uhr in der Maximin-Schule. Karten gibt es unter www.moselmusikfestival.de, über Ticket Regional oder Telefon 0651-9790779.

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