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Geschmeidig, genussvoll, zeitlos gut

Geschmeidig, genussvoll, zeitlos gut

Die legendäre New Yorker Jazz-Fusion Band Spyro Gyra hat im luxemburgischen Dudelange ein furioses Konzert gegeben. Im Kulturzentrum Op Der Schmelz feierte die mit sieben Grammys ausgezeichnete Formation 40 Jahre Bandgeschichte.

Dudelange. "Auf diesen Moment, euch live zu sehen, habe ich 35 Jahre gewartet", sagt ein Trierer Fan zu Jay Beckenstein, dem Saxofonisten von Spyro Gyra, als er sich eine CD signieren lässt. Damit dürfte er vielen Zuhörern aus der Seele gesprochen haben. Die meisten gehören zur Generation der rund 50-Jährigen, mit deren Jugend der rasante Aufstieg der legendären New Yorker Jazz-Fusion-Band zusammenfiel.
Und in diese Zeit zurück werden sie auch gleich zu Konzertbeginn entführt. Spyro Gyra eröffnet mit "Catching The Sun" und "Freetime", den wohl bekanntesten Hits, Titelsongs zweier Alben, die 1980 und 1981 Platz 1 der Billboard Jazzcharts eroberten. Es folgen zwei Stücke aus dem Durchbruch-Album "Morning Dance" von 1979, das Platin-Status erreichte. Das weckt Erinnerungen, wie man damals aufhorchte, weil sich da im Instrumental-Jazz eine neue Richtung auftat, das unverkrampfte Spiel mit der Verschmelzung von Stilen. Inspiriert durch Joe Zawinuls Band "Weather Report" und aus der Ursuppe zahlreicher Jam-Sessions entwickelte Spyro Gyra eine eigene, so geschmeidige wie energiegeladene Mischung aus Rock, Funk, R&B, karibischen oder spanischen Anklängen und Jazz-Improvisationen. Im Konzert, knapp vier Jahrzehnte später, wird klar, welch\' zeitlose Klasse diese Musik hat.
Klasse hat auch die furiose Performance der Musiker, die wie Teile eines Organismus zusammenwirken. Ausgebuffte Professionalität reifer Instrumentalvirtuosen trifft hier auf ungebrochene Lust am Spiel. Es ist ein Genuss, mitzuerleben, wie präzise und doch leicht Saxofonist Jay Beckenstein seine markanten Melodielinien im Dialog mit Julio Fernandez\' Gitarre oder Tom Schumans Piano und Keyboards ziseliert.
Und es macht Spaß, wie Bassist Scott Ambush und Drummer Lee Pearson mit einer Dosis Funk die Rhythmusmaschine antreiben. Dazu gibt es witzige Kabinettstückchen wie Beckensteins Spiel auf zwei Saxofonen gleichzeitig. Zum Mann des Abends wird Lee Pearson in einem atemberaubenden Schlagzeugsolo, bei dem er einen Schlegel auf dem Kopf balanciert, von hinten über Kreuz trommelt oder seine Felle mit Wischbewegungen seufzen lässt. ae