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Gesellschaft für Bildende Kunst zeigt Gemälde des Künstlers Ryo Kato

Ausstellung : Kampf zwischen Natur und Kultur

Die Trierer Gesellschaft für Bildende Kunst zeigt eine Ausstellung mit Gemälden des Berliner Künstlers Ryo Kato.

„Denn das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang“ heißt es in Rainer Maria Rilkes Erster Duineser Elegie. Wer dieser Tage die Trierer Galerie Palais Walderdorff betritt, fühlt sich an die bedrohliche Gedichtzeile erinnert. Unter dem Titel „Eine kurze Pause für die Natur“ zeigt die Trierer Gesellschaft für Bildende Kunst in den beiden Ausstellungsgeschossen Gemälde des Japaners Ryo Kato. Um es gleich vorab zu sagen: Lange hat man hierzulande nicht mehr Bilder von solcher Dringlichkeit gesehen. Und lange hat Schönheit nicht mehr eine solche gesellschaftskritische Wirkmacht erzeugt.

Um den Kampf zwischen Natur und Kultur, zwischen der zerstörerischen Macht der Zivilisation und dem Überlebenskampf der Natur geht es – kurz gesagt – in den Gemälden des 1978 geborenen Japaners, der heute in Berlin lebt. Dort war er an der Universität der Künste Meisterschüler von Daniel Richter. Kultur versus Natur: Ein in der Geistes- und Kunstgeschichte immer wiederkehrendes Thema, das in diesen Zeiten kriegerischer Auseinandersetzungen, drohender Klimakatastrophen und fortschreitender Umweltzerstörung neue brisante Aktualität gewonnen hat.

Zivilisationskritik als ästhetisches Ereignis wäre allerdings noch kein Alleinstellungsmerkmal. Was Katos Gemälde so faszinierend macht, ist sein künstlerischer Zugriff auf sein unheilverheißendes Thema. Etwas sei „schauerlich-schön“ sagt der Volksmund. Auch Kato setzt auf Schönheit, um Bewusstsein für das Schreckliche zu schaffen. In seinen Bildern wird über Sinnlichkeit und Empfindung Erkenntnis befördert. Die Gemälde des  japanischen Künstlers sind bildmächtige, vielschichtige Kompositionen, in denen die Farbe klanggewaltig und vielfarbig das Geschehen orchestriert. Katos  Bilderwelt ist ein dichter Kosmos aus Farben und Zeichen, denen  Zitate  und Versatzstücke der modernen Weltwirklichkeit und ihrer Medienwelt eingefügt sind. Afrikas geschundene Natur wird ebenso zitiert wie das „politische Monster“ Trump oder die Holzstämme aus Brasiliens gerodetem Regenwald.

Was dabei auf den ersten Blick als chaotische Gemengelage erscheinen mag, lässt bei genauem Hinsehen Vernunft und einen planvollen Geist erkennen, der das Chaos zum logischen Ganzen eint. Die geistige Strenge scheint dem Künstler wesensmäßig zu sein. Wie zu lesen ist Kato vom traditionellen Go Spiel seiner Heimat fasziniert, das ein hohes Maß an logischem und strategischem Denken sowie räumlichem Verständnis erfordert. Überhaupt haben sich in Katos Gemälden Ost und West gefunden. In seiner Bildsprache  verbinden sich moderne Malerei und die Ästhetik traditioneller japanischer Farbholzschnitte. Manche seiner Figuren gleichen ihren Kriegern. Das eindrucksvollste Gemälde der Schau ist Katos großartiger  wandfüllender  „Stierkampf“.

Die Ausstellung ist bis zum 12. Juni zu sehen: donnerstags von 17 bis 20 Uhr, freitags von 15 bis 18 Uhr und samstags von  bis 16 Uhr, Anmeldungen telefonisch unter 0172 9538437. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter gb-kunst.de