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Gestatten: Schumann und Bach - Ex-Trierer und sein Kompagnon etablieren sich als Filmmusik-Lieferanten

Gestatten: Schumann und Bach - Ex-Trierer und sein Kompagnon etablieren sich als Filmmusik-Lieferanten

Schumann & Bach steht auf dem Türschild, und es mutet an wie ein Scherz. Doch die Herrschaften, die hinter der Tür arbeiten, heißen tatsächlich so und sind ebenfalls Musiker und Komponisten. Der aus Trier-Olewig stammende Josef Bach und Arne Schumann sind in der Werbebranche eine feste Größe und etablieren sich nun auch als Lieferanten von Spielfilm-Soundtracks.

Josef Bach (40) muss grinsen, als die TV-Fotos im Kasten sind: "Darauf werden mich in Trier wohl nicht mehr viele Leute erkennen. Meine Frisur war damals etwas anders. Ich hatte 'ne ziemliche Matte." Damals - das war Mitte der 90er, als er zum Musikstudium nach Köln ging, um es nach vier Semestern wieder an den Nagel zu hängen: "Weil mir klar geworden war: Lehramt ist nix für mich."

Im Nachhinein betrachtet war der Studienabbruch eine gute Entscheidung: Bach zog nach Berlin, wo er schon während des Studiums an CD-Produktionen mitgewirkt hatte. Bei den Aufnahmen zum Album "Herzblut" der Band Subway to Sally 2001 lernte er Arne Schumann (39) kennen - und auch als musikalischen Partner schätzen.

2003 gründeten die beiden ihre Firma Schumann & Bach, die Musik für Werbung in Radio und Fernsehen und zunehmend auch für Spielfilme produziert. Außerdem mischen sie als Produzenten, Arrangeure, Programmierer, Toningenieure bei Plattenaufnahmen mit. Aber auch als Studiomusiker: vor allem als Pianisten, Bach außerdem mit dem Instrument, das er einst in der Jazzband des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums Trier (FWG) spielte: Posaune. Zu hören etwa in "Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss" (2014) mit Benno Fürmann.

Die Liste der Künstler, die bereits mit Schumann & Bach zusammengearbeitet haben, ist lang und umfasst prominente Namen wie Mary Roos, Thomas Quasthoff, Nina Hagen und Paul van Dyk. Und natürlich Till Brönner (44). Mit dem Startrompeter betreibt das Duo in Berlin-Charlottenburg ein gemeinsames Aufnahmestudio. Dort wie in den Räumen nebenan, in denen mit Hilfe eines großen Instrumenten-Arsenals die meisten Schumann-&-Bach-Kompositionen entstehen, geht es derzeit besonders hoch her. "Gewissermaßen Vollbeschäftigung!", freut sich Schumann.

Los ging es vor zehn Monaten mit einem Anruf von Matthias Schweighöfer (34). Der Schauspieler und Regisseur engagierte das Duo, um seine Eigenproduktion "Der Nanny" zu vertonen. Bach: "Wir haben mächtig Vollgas gegeben, denn Kinostart war ja schon am 26. März."

Lohn der Mühen: "Wir sind auch bei weiteren Schweighöfer-Projekten mit von der Partie." Worum es dabei im einzelnen geht, dürfen sie "aber noch nicht verraten". Spruchreif hingegen ist, dass die Tonkünstler mit den prominenten Familiennamen auch das für 2016 geplante Regiedebüt von Schauspielerin Karoline Herfurth (31) musikalisch unterlegen werden.

Hat da die "Nanny"-Referenz geholfen? "Durchaus", sagt Schumann. "Wir haben uns beworben, mussten aber nicht mehr groß erklären, wer wir sind und was wir machen." Werbemusik wird auch weiterhin gemacht, so wie kürzlich für die Präsentationen zweier großer deutscher Autohersteller auf der IAA in Frankfurt.

Allem Stress zum Trotz: Josef Bach kommt stets mit klarem Kopf zur Arbeit und abends nach Hause zu seiner ebenfalls aus Trier stammenden Lebensgefährtin Sandrine Mattes (39) und Sohn Emilian, der im Oktober eine kleine Schwester bekommt.

Für Filmpreis nominiert

Der 40-Jährige legt die zwölf Kilometer von der Wohnung im Stadtteil Friedrichshain und nach Hause per Fahrrad zurück. Das Velo hat er 2004 als optimales Fortbewegungsmittel für sich entdeckt: "Das war, als wir mit Till den Soundtrack für den Dokufilm ,Höllentour' gemacht haben. Die Tour-de-France-Fahrer haben mich tief beeindruckt." "Höllentour" war für den Deutschen Filmpreis nominiert.

Bachs großer beruflicher Traum: "Einmal arbeiten können wie Hans Zimmer." Der aus Frankfurt stammende Oscar-Preisträger (58) habe für den Soundtrack zum Science-Fiction-Streifen "Interstellar" (2015) zwei Jahre Zeit gehabt und mit einem großen Team arbeiten können. Resultat laut Bach: "Die ideale Filmmusik! Sie ist so aussagekräftig und stringent, dass sie für sich alleine stehen kann."