Gewaltige Klänge und übersinnliche Töne

Gewaltige Klänge und übersinnliche Töne

Einmal mehr geriet das Gastspiel des London Philharmonic Orchestra mit der Geigerin Julia Fischer zu einem Höhepunkt des Konzertjahres in der Luxemburger Philharmonie.

Luxemburg. Gewaltig endete der Abend. Mit Johannes Brahms Symphonie Nr. 4 und dem großartigen Schlusssatz beendete das London Philharmonic Orchestra kraftvoll sein Konzert. Am Dirigentenpult stand Vladimir Jurowski. Der elegante Russe gab dem Stück jene sommerliche Frische zurück, aus der es stammt. Jurowski lässt einen ganz ungewohnten Brahms spielen, leicht, leuchtend, weit atmend, mit wunderbarer Klangfülle und tiefem Gefühl. Seine Streicher haben Schmelz, ohne je kitschig zu klingen. Zum übermütigen Spiel geriet das "Giocoso". Jurowski versteht sich auf Präzision. Meisterlich gelang es ihm, das komplizierte Netzwerk der Symphonie offenzulegen und dennoch das Stück zusammenzuhalten. Schon zu Beginn mit Ludwig van Beethovens Ballettmusik "Die Geschöpfe des Prometheus" wurde einmal mehr klar, was für ein erstklassiges Orchester die Londoner sind. Jung und spielfreudig mit wunderbaren Streichern und schönem Bläsersatz präsentierten sich die Musiker. Überhaupt die Streicher: Sie sind die große Stärke dieses Orchesters. So wie die Londoner will man zeitgenössisches Geigenspiel eigentlich immer hören, schlank, spannungsvoll, wo es sein muss, federleicht und vielfarbig. Mit "Prometheus" war Jurowski ganz in seinem Element, ein Nachschöpfer von Klängen, die Menschsein darstellten. Gefühlvolle, feinsinnige bisweilen heroisch glühende Gestalten schuf die Musik und nahm Beethovens große Vision von einer brüderlich edlen Welt vorweg. Klangvisionen gab es auch im Anschluss. Julia Fischer, die junge Stargeigerin mit dem feinen Violinenton, war angesagt. Sie hatte das Violinkonzert dabei, das der zeitgenössische Komponist Matthias Pintscher eigens für sie geschrieben hat. "March" heißt das extrem schwierige Stück in hoher Lage, nach dem hebräischen Wort, das soviel wie Antlitz bedeutet. Julia Fischers Spiel war Erleuchtung. Aus einer anderen Welt schienen diese transparenten, spannungsreichen Klänge zu stammen, die zuweilen den Stimmen eines Geisterhauses glichen und dann wieder nichts anderes als Stille hörbar zu machen schienen. Julia Fischer spielte mit einer atemberaubenden Präzision und Feinsinnigkeit. Ihr antwortete einfühlsam das Orchester.
Am Ende viel Applaus. er