Gewaltige Ruhe

Kraftvoll und imposant haben die fast 250 Musiker und Sänger der "London Symphony" am Samstagabend Giuseppe Verdis "Messa da Requiem" in der Philharmonie Luxemburg einem begeisterten Publikum präsentiert.

Luxemburg. (ves) "Totenmessen gibt es so viele, viel zu viele", soll Giuseppe Verdi nach seinem ersten gescheiterten Versuch, ein Requiem für Gioacchino Rossini aufzuführen, festgestellt haben.

Zum Glück schrieb er fünf Jahre später dennoch die "Messa da Requiem" (1874) im Gedenken an den verstorbenen italienischen Dichter Alessandro Manzoni.

Diese nie für den liturgischen Gebrauch gedachte, konzertante Totenmesse führten das "London Symphony Orchestra" und der "London Symphony Chorus" am Samstagabend unter der Leitung von Sir Colin Davis in der Philharmonie Luxemburg auf. Vor ausverkauftem Haus kreierten sie von der ersten Sekunde an über 84 Minuten ohne Pause eine Gänsehaut-Atmosphäre. Rund 100 Sänger und knapp 150 Musiker schafften eine fulminante Bandbreite vom schauerlich ruhigen, anfangs geflüsterten "Requiem aeternam" (ewige Ruhe) bis hin zum gewaltigen, imposanten und kraftvollen "Dies irae" (Tag des Zornes). Das stille Totengedenken, das Verdi mit der Grausamkeit des Jüngsten Tages verband, wurde hier deutlich. Wie der Bassist John Relyea das Wort "Mors" (Tod) dunkel intonierte oder die Sopranistin Christine Brewer am Ende das "Libera me" (Befreie mich!) verzweifelt flehte, war schlichtweg beeindruckend. Auch der Tenor Stuart Neill und die Mezzo-Sopranistin Karen Cargill überzeugten. Sir Colin Davis führte die riesige Menge Mitwirkender sicher durch das Requiem. Dem Besucher der Verdi-Aufführung 1875, Eduard Hanslick, folgend, der sich dagegen entschloss, "dem Publicum seine Freuden nachträglich durch ein gnadenloses Mäkeln an Nebendingen und Kleinigkeiten zu verleiden": Es war eine rundum beeindruckende Leistung der "London Symphony", die mit begeistertem Applaus belohnt wurde.