Giora Feidman - jüdisch und jazzig

Giora Feidman - jüdisch und jazzig

Seine Musik verbindet Völker, Religionen und Generationen: Klarinettist Giora Feidman ist der Altmeister des Klezmer, der traditionellen jüdischen Musik aus Osteuropa. Mit einem Ausflug in die Welt des Jazz ist er am Sonntag in Trier aufgetreten - frenetisch gefeiert vom Publikum.

Trier. Manchmal sind es die kleinen Worte, die den großen Unterschied machen: Für ihn sei es ein großes Privileg, sagt Giora Feidman, immer wieder in Deutschland aufzutreten und vom Publikum geliebt zu werden, "weil ich ein Jude bin". Er sagt "weil" - nicht "obwohl". Und in der Tat: Kaum ein anderer hat den Deutschen so sehr jüdische Musik nahegebracht wie der 77-jährige Argentinier und Israeli mit osteuropäischen Wurzeln - ein Weltbürger par excellence, der sich mit seiner Klarinette für Völkerverständigung und jüdisch-christlichen Dialog einsetzt. Ein Arrangement mit Versatzstücken aus den Hymnen Deutschlands, Israels und Palästinas sowie Louis Armstongs "What a wonderful world" - das klingt bei Feidman nicht bemüht, sondern ganz natürlich.
Für sein aktuelles Projekt "Jazz-Experience", mit dem er seit Anfang des Jahres vorwiegend in Kirchen auftritt, hat Feidman drei junge deutsche Musiker um sich versammelt: Stephan Braun (Cello), Reentko Dirks (Gitarre) und Guido Jäger (Kontrabass) - eine ungewöhnliche Besetzung für eine Jazz-Formation. Aber es funktioniert - wie nicht zuletzt der frenetische Schlussapplaus der gut 400 Besucher in der ehemaligen Abteikirche St. Maximin zeigt. Die Musik bleibt unverkennbar im Klezmer-Stil, angereichert wird sie mit Spiel- und Improvisationstechniken aus dem Jazz.
Auf den Leib geschrieben


Bei der Auswahl der Kompositionen bedient sich Feidman sowohl traditioneller jüdischer Melodien als auch bei Duke Ellington ("Caravan"), George Gershwin ("Somebody loves me") oder Cole Porter ("Ganz Paris träumt von der Liebe"). Die drei Musiker, die mit Giora Feidman auf der Bühne stehen, haben ebenfalls eigene Titel komponiert - und dem Altmeister den Klarinettenpart auf den Leib geschrieben.
Diese Vielseitigkeit kommt an beim Publikum: "Immer wieder neu und immer wieder spannend", findet es Monika Aubart. Ihre Tochter Viktoria Klaßen hat sogar ihre Klarinette wieder aus dem Schrank geholt, um sich musikalisch auf das Konzert einzustimmen.
Auch die achtjährige Tali Botmann spielt schon seit drei Jahren Klarinette. Ob sie es auch einmal so gut können will wie Giora Feidman? "Ja", sagt sie, und ihre Augen strahlen. "Klezmer spiele ich am liebsten!"
Giora Feidmans neue CD "Klezmer meets Jazz" erscheint am 31. Januar.

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