Gisbert zu Knyphausen spielt in Losheim

Songwriter Gisbert zu Knyphausen : Mehr Licht für die Welt: Gisbert zu Knyphausen spielt in Losheim

Gisbert zu Knyphausen gehört zu den gefeiertsten deutschen Songwritern – daran änderte auch eine lange künstlerische Pause nichts. Der TV sprach vor dem Auftritt am Donnerstag in Losheim mit dem 38-Jährigen.

Der Tag, an dem sich vieles im Leben von Gisbert zu Knyphausen änderte, liegt über fünf Jahre zurück. Es ist der 10. Oktober 2012: Für Gisbert zu Knyp­hausen steht gemeinsam mit dem Songwriter-Kollegen Nils Koppruch ein Promo-Auftritt in Berlin an. Ihr gemeinsames Projekt Kid Kopphausen kommt gerade auf Touren. Erste Konzerte, begeisterte Reaktionen auf das kurz zuvor erschienene Album. Läuft. So sieht’s zumindest aus. „Nils sollte nach Berlin kommen“, erinnert sich zu Knyphausen im Telefonat mit dem TV. Aber er kam nicht. Stattdessen kommt ein Anruf vom Manager: Nils Koppruch ist  tot. Herzinfarkt. Mit 47. Aus dem Nichts.

„Es war hart“, sagt der Songwriter,  der zuvor bereits zwei gefeierte Solo-Alben veröffentlicht hatte. „Wir hatten gerade die ersten Konzerte gespielt, das hatte sehr viel Spaß gemacht, wir waren auch befreundet. Das war persönlich und beruflich ein harter Schlag für mich.“ Was tun? Einfach weitermachen, an die Gitarre setzen, mit Moll-Akkorde gegen die Trauer ankämpfen, neue Songs als Selbsttherapie? Das ging nicht, sagt der 38-Jährige. „Direkt nach Nils’ Tod konnte ich keine Songs schreiben, das hat mich einfach zu traurig gemacht. Alles was man verarbeitet, kommt mit großer Verspätung. Erst erlebt man die Sachen im Persönlichen, dann kann man später einen Song daraus machen, wenn man aus dem Loch rausgeklettert ist.“

Tage vergingen, Wochen, Monate. „Ich merkte, dass es mir gut tut, nicht in der Öffentlichkeit zu stehen und mal zu schauen, ob das der Weg ist, den ich gehen möchte.“ Eine kleine Inventur, wenn man so will: Gibt’s was anderes, was die Leidenschaft so befeuert wie die Musik? Nicht wirklich. „Es gibt vieles, was mich interessiert, aber im Grunde meines Herzens weiß ich, dass die Musik mein Ding ist.“

Die Texte seiner ersten beiden Alben waren brutal persönlich, er ging hart mit sich ins Gericht – und fand viele Gleichgesinnte, die jede  Zeile mit Edding an die Wand gehauen hätten. Naja, wenn sie denn zehn, 15 Jahre jünger wären.

Zwischen seinem zweiten Album „Hurra! Hurra! So nicht“ (2010) und dem kürzlich erschienenen „Das Licht dieser Welt“ liegen siebeneinhalb Jahre. Das neue Album ist erwartungsgemäß kein Ausbund an Fröhlichkeit. Die Party-Hymnen überlässt er anderen. Es geht um Einsamkeit, Trauer, Tod, aber auch um Geburt - um große Gefühle. Mit versöhnlichem Unterton und ohne das Worthülsen-Bingo vieler Kollegen. „Ich habe die Auszeit genutzt, mein Leben aufzuräumen“, so sagt es der im hessischen Eltville am Rhein aufgewachsene Sänger, Gitarrist und Pianist. „Ich kann jetzt glücklicher durchs Leben laufen.“ Auch längere Reisen hätten ihm beim musikalischen Neustart geholfen. Nach Russland, aber auch in den Iran, wo er mit der Band Pallett an Songs arbeitete. „Da sind wir durch Teheran gestreunt und  haben auch mal ein langes Wochenende  in der Wüste verbracht. Alle haben Songs gesungen, jeder trauriger als der andere. Die Herzlichkeit und Gastfreundschaft dieser Menschen zu erfahren hat mich sehr gerührt.“

Am Donnerstag spielt Gisbert zu Knyphausen nach länger Pause wieder in der Region – mit seiner neuen Band, im Saalbau in Losheim. In der Region Trier ist Gisbert zu Knyphausen schon mehrfach aufgetreten – zum ersten Mal vor zehn Jahren. Damals spielte er als Support von Oli Schulz in der Tufa Trier,  der hatte seine Musik einst im Internet auf der einstigen Musiker-Plattform  Myspace entdeckt. „Und daraus ist eine Freudschaft geworden. Wir machen öfter was zusammen. Ich habe danach auch in seiner Band Bass gespielt.“ Auf der Exhaus-Sommerbühne spielte er zudem auf Einladung von Jupiter Jones, später war er auch mal in Saarburg zu erleben. Mit der neuen Band werden Songs von allen Solo-Alben und der Kid-Kopphausen-Platte zu hören sein. „Wir werden lange Konzerte spielen, vieles von der neuen Platte. Das wird eine gute Mischung“, kündigt der Songwriter mit dem ungewöhnlichen Namen an (sein voller Name ist länger: Gisbert Wilhelm Enno Freiherr zu Innhausen und Knyphausen).

Seit einigen Jahren organisiert er im Juli auch mit einem Kollegen ein großes Open Air und Familienfest der besonderen Art - das „Heimspiel Knyphausen“ auf dem Weingut seiner Familie ist bereits seit Dezember ausverkauft.

Der Tod von Nils Koppruch hat einiges bei Gisbert zu Knyphausen ausgelöst. Zu hören ist Koppruch allerdings auch auf dem neuen Album in einem Song, von dem es nur eine Demo-Aufnahme gegeben hatte. Gisbert zu Knyphausen hat das Stück fertiggestellt. „Das war für mich der richtige Weg, das Thema Nils auf der Platte vorkommen zu lassen – als Würdigung.“ Der Songtitel geht auch noch auf Nils Koppruch zurück: „Etwas Besseres als den Tod finden wir überall“.