Glocken für die Opfer?

Glocken für die Opfer?

Es ist schlicht ein Erlebnis der ganz besonderen Art, diesen Pianisten hören und sehen zu können. Evgeny Kissin spielte in der Luxemburger Philharmonie im fast ausverkauften Grand Auditorium. Die Qualität, mit der er einen Flügel zum Klingen bringt, hat etwas Einzigartiges, das seinen Ruf als "jungen Klaviergott" rechtfertigt.

Die scheinbare Leichtigkeit, mit der Kissin Repetitionen spielte, bei denen Ungeübten wohl die Fingergelenke schmerzen würden, dieses schier unendliche Farbenspektrum, das er seinem Instrument entlockte, nicht zuletzt aber auch die Tiefe, in die er in die Musik abtauchte - das alles erlebten die Zuhörer. Auf dem Programm fanden sich Mazurken und Etuden sowie die Polonaise-Fantaisie As-Dur von Frédéric Chopin sowie Auszüge aus der Suite "Romeo und Julia" von Sergej Prokofiev. Grandioser Mittelpunkt aber war sowohl in der Ausdeutung als auch in der technischen Bewältigung Prokofievs Sonate Nr. 8 in B-Dur, Opus 84, aus dem Jahr 1944. Dabei baute Kissin ein Spannungsfeld auf: hier das Beweinen der Opfer des Krieges, da der Jubel über den wahrscheinlichen Sieg und am Ende läutende Glocken. Für wen? Für die Opfer? Für die Sieger? Eine Frage, mit der Kissin sein Publikum nach Hause entließ. Gerhard W. Kluth

Klavierkonzert

Glocken für die Opfer?

Es ist schlicht ein Erlebnis der ganz besonderen Art, diesen Pianisten hören und sehen zu können. Evgeny Kissin spielte in der Luxemburger Philharmonie im fast ausverkauften Grand Auditorium. Die Qualität, mit der er einen Flügel zum Klingen bringt, hat etwas Einzigartiges, das seinen Ruf als "jungen Klaviergott" rechtfertigt. Die scheinbare Leichtigkeit, mit der Kissin Repetitionen spielte, bei denen Ungeübten wohl die Fingergelenke schmerzen würden, dieses schier unendliche Farbenspektrum, das er seinem Instrument entlockte, nicht zuletzt aber auch die Tiefe, in die er in die Musik abtauchte - das alles erlebten die Zuhörer. Auf dem Programm fanden sich Mazurken und Etuden sowie die Polonaise-Fantaisie As-Dur von Frédéric Chopin sowie Auszüge aus der Suite "Romeo und Julia" von Sergej Prokofiev. Grandioser Mittelpunkt aber war sowohl in der Ausdeutung als auch in der technischen Bewältigung Prokofievs Sonate Nr. 8 in B-Dur, Opus 84, aus dem Jahr 1944. Dabei baute Kissin ein Spannungsfeld auf: hier das Beweinen der Opfer des Krieges, da der Jubel über den wahrscheinlichen Sieg und am Ende läutende Glocken. Für wen? Für die Opfer? Für die Sieger? Eine Frage, mit der Kissin sein Publikum nach Hause entließ. Gerhard W. Kluth