Glockenklar und überzeugend

Glockenklar und überzeugend

Es ist erstaunlich, wie sich die Jugendkantorei am Trierer Dom in den letzten Jahren entwickeln konnte und mit welcher Selbstverständlichkeit die jungen Sänger zu einem festen Bestandteil der Trierer Dommusik geworden sind. Ein schönes Beispiel für die hohe Qualität, mit der hier musiziert wird, gab das Weihnachtskonzert der Kantorei in der Trierer Mutterkirche.

Trier. Domkantor Thomas Kiefer hatte ein ausladendes Programm zusammengestellt, bei dem die Qualitäten des gerade einmal sechs Jahre alten Ensembles in vielfältiger Weise sichtbar und vor allem hörbar wurden. Vielleicht war dieses Programm aber auch zu ausladend, denn im letzten Drittel des mehr als eineinhalbstündigen Konzertes wurde doch eine gewisse Unruhe im voll besetzten Dom bemerkbar.

Junge Sänger überzeugen durch musikalische Tiefe



Sicherlich ist es sehr reizvoll, etwa das Weihnachtslied "In dulci jubilo" in der Gegenüberstellung von der reinen Chorfassung, zwei Orgelbearbeitungen von Johann Sebastian Bach, gespielt von Domorganist Josef Still, und in zwei Bläserfassungen der Mainzer Dombläser zu erleben.

Aber bei aller Qualität der Ausführung hinterließ dies - ebenso wie die drei Bläserbearbeitungen von "Wie schön leuchtet der Morgenstern", Alexandre Guilmants Orgelwerk "Chant de Roi René" oder John Rutters "Ding Dong, Merrily on high" - einen etwas ausufernden Eindruck.

Dies war aber auch das Einzige, was man an diesem weihnachtlichen Konzert bemängeln musste, und gleichzeitig konnte man erstaunt beobachten, wie konzentriert die Kantorei auch am Ende des Abends noch bei der Sache war. Obwohl sich die Jugendlichen schon ausführlich Benjamin Brittens "A Ceremony of Carols", einer Collage von Kiefer über den Choral "Es ist ein Ros' entsprungen" oder auch Joseph Rheinbergers "Wie lieblich sind deine Wohnungen" gewidmet hatten, waren sie am Ende bei den Weihnachtsliedern "Susanni" und "Still, still, still" und bei John Gardners "Tomorrow shall be my dancing Day" voll und ganz bei der Sache, konnten intonatorisch und dynamisch glänzen. Glockenklare Stimmen folgten dem klaren und unmissverständlichen Dirigat Kiefers.

Die Kantorei hat den Bereich eines "Kinder- und Jugendchores" längst verlassen, ist zu einem ernstzunehmenden Klangkörper in der Musikregion geworden. Zwar ist der Chor noch nicht perfekt - die musikalische Tiefe aber, die nicht nur bei Brittens Opus 28, unterstützt von der souverän agierenden Harfenistin Regina Israel, an den Tag gelegt wurde, war erstaunlich. Rheinbergers Hymne atmete den romantischen Gestus in vollen Zügen - Francis Poulencs "Ave Maria" war ein überzeugendes Gebet tiefer, aber nie überzogener Frömmigkeit.

Ein besonderes Kompliment muss man Kiefer und dem Chor für die hohe Qualität der Unisono-Passagen machen, die mit einer beeindruckenden Reinheit den Dom erfüllten. Der lang anhaltende und weit mehr als nur herzliche Applaus von gut 1000 Zuhörern war ein berechtigter Dank an alle Ausführenden, insbesondere aber an diesen jungen Chor.

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