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Glück und Trauer in trauter Zweisamkeit

Glück und Trauer in trauter Zweisamkeit

Der September ist die Zeit, in der die meisten Konzertreihen ihren Auftakt erleben. Das Philharmonische Orchester der Stadt Trier ist mit seinen Sinfoniekonzerten in der Europahalle an den Start gegangen.

Trier. Gottlob war der Ausflug der Trierer Philharmoniker in die Europahalle nur eine einmalige Angelegenheit, weil das Stadttheater saniert werden muss. Es gab doch einiges, was den Genuss des ersten Sinfoniekonzertes der neuen Spielzeit störte: etwa eine dauernd laufende Klimaanlage die sich auch noch durch ein beständiges Brummen in die Musik einmischte. Dazu eine Akustik, die alles andere als geeignet ist für solche Veranstaltungen.
Mit den Musikern konnte man nur Mitleid haben, die auf der eigentlich zu kleinen Bühne sitzen mussten. Aber die Akteure unter der Leitung von Generalmusikdirektor Victor Puhl ließen sich nicht entmutigen und gaben ihr Bestes. Und am Ende konnte man nur sagen: trotz der räumlichen Unzulänglichkeiten, der Abend hatte sich auf ganzer Linie gelohnt. Es war völlig berechtigt, dass Puhl am Ende des Abends alle einzelnen Register seines Orchesters aufstehen ließ, damit sie sich ihren Teil des begeisterten Applauses abholten. Auslöser hierfür war eine Auswahl von 11 Sätzen aus den drei Ballettsuiten, Opus 64 a+b und 101a, zu "Romeo und Julia" von Sergej Prokofjew. Restlos alles, was diese Musik brauchte, um dem Publikum die vielleicht berühmteste Liebesgeschichte der Weltliteratur zu erzählen, wurde vom Trierer Klangkörper umgesetzt. Die liebliche Anmut des Mädchens Julia war ebenso vertreten wie die Innigkeit der Zuneigung. Aber auch die Dramatik, die das Schauspiel am Ende kennzeichnet.
Lachen und weinen, Glück und Trauer, diese Pole des Lebens waren auch im ersten Teil vertreten. Nach Carl Maria von Webers Ouvertüre zu "Oberon" stand das Flötenkonzert D-Dur, Opus 283, von Carl Reinecke auf dem Programm. Ein zu Unrecht kaum bekannter Komponist. Der Soloflötist der Berliner Philharmoniker Andreas Blau bildete mit seinen Trierer Kollegen eine optimale Gemeinschaft, um diesem Werk Gehör zu verschaffen. Schönheit und Anmut bestimmten das Geschehen im ersten Satz, Lebendigkeit und Vergnügen den Dritten. Beide umrahmten die Tragik des "Lento e mesto" im Mittelteil, das fast an einen Trauermarsch erinnerte. Blau mit seinem manchmal fast sphärischen Ton traf immer genau den Punkt. Für die lebhafte Zustimmung der Zuhörer bedankte er sich mit "Syrinx" von Claude Debussy. gkl