Glücksforscherin Michaela Brohm-Badry hat ein Buch über das Glück geschrieben

Kostenpflichtiger Inhalt: Psychologie : Da je! So findet man das gute Glück

Das neue Buch der bundesweit bekannten Trierer Glücksforscherin Michaela Brohm-Badry erklärt, wie wir Glück finden und behalten können. Unsere Reporterin hat es gelesen, zweifelte zwischenzeitlich, ja, war regelrecht aufgebracht – und glaubt nun doch: Das könnte funktionieren. Spannend ist die Lektüre allemal.

Michaela Brohm-Badry stand vor dem Toaster und schaute aus dem Fenster ihrer einsam im Wald gelegenen Mühle. Ein sonniger Tag. Das wissenschaftliche Buch, an dem sie so verbissen gearbeitet hatte, war fertig. Nun noch ein Artikel. Sie kraulte ihren Hund Nike und dachte: Ab morgen wird alles besser. Da schoss ihr jemand ins Gehirn. Sie taumelte rückwärts, fasste sich an die Schläfe und brach zusammen.

Im Kopf der Trierer Professorin für Lernforschung war ein Aneurysma geplatzt. Sie überlebte. Auch dank ihres Hundes, der sie wach hielt, bis der Notarzt eintraf. Es dauerte lange, aber sie wurde wieder gesund. Und mehr als das. Michaela Brohm-Badry wurde trotz des traumatischen Erlebnisses wieder glücklich. Ja, vielleicht sogar glücklicher als zuvor.

Und so entschied die bekannte Glücksforscherin und Motivations-Expertin, ein Buch zu schreiben, das anderen, die Schlimmes hinter sich haben, Mut macht. Ein Buch, das Hoffnung gibt. Ein Buch, das aber im Prinzip niemandem schadet. Geht es doch um: „Das gute Glück. Wie wir es finden und behalten“.

Ihre eigene Geschichte verwebt die Autorin in ihrem jüngsten und persönlichsten Werk geschickt mit den neuesten Erkenntnissen der Forschung. Es ist dadurch ebenso spannend und authentisch wie anschaulich und lehrreich. Auch Liedzeilen von Frank Sinatra oder Zitate von Erich Fromm und Hermann Hesse sorgen dafür, dass der komplexe Stoff  – mal geht es um Neurotransmitter, mal um Sinn-Erleben – zur lockeren Lektüre wird. Vorausgesetzt, man – oder in den allermeisten Fällen wohl eher Frau – ist bereit, sich selbst zu hinterfragen. Über das eigene Leben, die eigene Persönlichkeit nachzudenken. Was sind meine Charakterstärken? Nutze ich die auch optimal? Passen meine Ziele zu alledem? Lebe ich stimmig mit mir selbst? Und überhaupt. Allerlei Fragen und Selbsttests helfen bei der Analyse.

Schon im Vorwort lernt der Leser, dass es sich mit dem Glück anders verhält, als man früher dachte. Früher habe man angenommen, Menschen hätten ein fixiertes Niveau an Glück in sich. Heute jedoch wisse man: Nur rund die Hälfte des Glücksempfindens ist genetisch durch den Serotoninspiegel angelegt, 40 Prozent aber lassen sich durch das Verhalten steuern und zehn Prozent liegen in der Umwelt. „Und auf beide haben wir Einfluss“, betont die Autorin.

Aber: Warum das alles überhaupt? Muss es denn gleich Glück sein. Und dann auch noch gutes? Geht es nicht auch ohne? Geht schon, lernt man. Ist aber nicht so sinnvoll, denn glückliche Menschen leben länger, haben ein stärkeres Immunsystem, einen besseren Schutz vor psychischen Belastungen, weniger Stresshormone im Blut, längere Partnerschaften, ein höheres Einkommen, mehr Freunde ...

Okay, okay, schon gut! Aber wie stellt man das dann an mit dem Glück? „Glück ist kein Geschenk der Götter, sondern die Frucht innerer Einstellung“, sagte der Philosoph Erich Fromm, und Brohm-Badry gibt ihm aus wissenschaftlicher Sicht völlig recht. Glück kreise um die freie Entscheidung, zu wollen, zu denken, zu fühlen und zu tun, was das Leben lebenswert macht. Negative Menschen fokussierten sich auf das, was sie in ihrem Leben ablehnen. Frohe Menschen auf das, was sie an ihrem Leben lieben. Man könne die Ereignisse zwar nicht kontrollieren, aber die Interpretationen und Folgen.

Und genau an dieser frühen Stelle des Buches könnte so mancher skeptisch, ja vielleicht sogar rebellisch werden. „Ist das nicht ein bisschen zu simpel?“, könnte jemand fragen, der um einen geliebten Menschen trauert, einen lang gehegten Lebenstraum für immer begraben muss, an einer schweren Krankheit leidet oder die Welt mit ihren Kriegen und Katastrophen einfach nicht besonders lustig findet. Und tatsächlich hat Brohm-Badry, seit das knapp 300 Seiten starke Buch im Mai erschien, neben vielen lobenden Dankesschreiben, in denen Leser nicht selten von ihren eigenen Schicksalsschlägen berichten, auch einzelne wütende Zuschriften bekommen. So schön Pippi Langstrumpfs „Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt“ auch ist – ist es nicht ein bisschen naiv? Ein bisschen viel verlangt, schlimme Dinge, die doch in jedem Leben früher oder später passieren, einfach wegzuschieben, umzudeuten, schönzureden?

Doch stopp! Die Buch-Autorin hat ja selbst Schlimmes hinter sich. Ein ganzes Jahr brauchte sie, um nach dem Aneurysma-Schock wieder auf die Beine zu kommen. Also: Einfach erst mal weiterlesen und gucken, wie sie damit umging. Tatsächlich widmet die Trierer Professorin mehrere Kapitel dem Thema Trauma. Sie beleuchtet den Zustand, in den Menschen geraten, die einen großen Schmerz erlebt haben, zum einen wissenschaftlich. Und sie erzählt zum anderen, wie es für sie und ihre Frau Andrea war, als sie nach langem Krankenhausaufenthalt in die Mühle zurückkam. Wie sie aus dem Schlaf hochschreckte, weil sie glaubte, ein Pochen an der Schläfe zu fühlen. Wie die Mühle, in der sie immer so glücklich war, zu einem bedrohlichen Ort wurde. Wie wenig übrig blieb von dem Wildling, der sie einst war.

Doch es wäre kein Buch übers Glück, würde es nicht beschreiben, wie man noch aus den schwierigsten Erlebnissen etwas Positives ziehen – oder sie positiv umdeuten kann, indem man sich fragt: Was ist gut daran? Als „posttraumatisches Wachstum“ bezeichnet Brohm-Badry, dass Menschen nach Leidenserfahrungen oft vertiefte Beziehungen leben, neue Möglichkeiten entdecken, sich verletzlicher, aber stärker fühlen, eine neue Lebensphilosophie entwickeln oder das Leben mehr wertschätzen, als sie dies früher getan haben. Das Wachstum nach schweren Lebenskrisen sei eine Huldigung an das Leben. „Die Zeit“, schreibt sie, heilte ihre Kopfwunde – und die Seele nach und nach gleich mit.

Über die Zeit ist da ansonsten nicht viel zu lesen. Vielleicht ist es aber gerade sie, die dem Erlebten die Schärfe nimmt, die die Bereitschaft weckt, im Schlimmen etwas Gutes zu suchen und Schicksale neu zu interpretieren ...Genug philosophiert. Zurück zum Buch.

Was hat es überhaupt mit dem guten Glück auf sich? Gibt es denn schlechtes Glück? „Ja“, sagt die Expertin für positive Psychologie. Sie hat dieses schlechte Glück am eigenen Leib erfahren, als sie sich in ihrer Karriere von „der Wunderdroge Dopamin“ von einem Ziel zum nächsten jagen ließ. Wenn sie dann erfolgreich war, wurde ihr Gehirn mit Endorphinen und anderen Neurotransmittern und Hormonen wie Serotonin und Oxytocin durchströmt. „Das ist das wahre Glücksgefühl.“ Kaum ist das Gefühl vorbei, will man es schon wieder haben. Dadurch könne man in einen Zustand kommen, in dem alles viel zu viel wird. Das Ganze kippt. Und statt Glück empfindet man negativen Stress.

Gutes Glück hingegen ist ein ­dauerhaftes. „Es ist der Mut, sich die Freiheit zu nehmen, stimmig zu sein und stimmige Entscheidungen zu treffen“, schreibt Brohm-Badry. „Gutes Glück ist der Mut zur Freiheit.“ Und so ruft sie ihre Leser dazu auf, mutige Entscheidungen zu treffen. Und sich immer mal wieder zu sagen: „Ich bin so frei“. So frei, nicht immer durchhalten zu müssen, sondern auch einfach mal loslassen zu können. So frei, sich nicht von Ängsten treiben zu lassen und Negativem nicht so viel Raum zu geben – sei es negativen, „katastrophisierenden“ Gedanken oder auch ganz banal negativen Bildern, Filmen, Sprüchen oder Musik. Die Autorin rät, so frei zu sein, sich von „destruktiven, deenergetisierenden Menschen und Organisationen zu trennen“. So frei, Leichtigkeit zu wählen, unterstützende Menschen und eine Tätigkeit, die wir sinnvoll finden. Zudem solle man die Wahrnehmung auf das lenken, was glücklich macht: positive Gefühle, Engagement, gute Beziehungen ... „Im Streben danach, stimmig mit uns selbst zu sein, stimmig mit den Unseren, mit unserer Arbeit, unseren Leidenschaften, unserem Leben.“ Befreit von allem, was uns unter Druck setzt.

Und: Funktioniert das? Michaela Brohm-Badry bezeichnet sich selbst als sehr glücklichen Menschen. Immer happy sei sie natürlich nicht. Manchmal sogar ganz schön schlecht gelaunt. Was ihr dann hilft, ist, sich folgende Fragen zu stellen: Worauf kannst du hoffen? Was kannst du tun, um diese Hoffnung zu erfüllen? Wofür kannst du dankbar sein? Wer Hoffnung habe, dem gehe es viel besser.

Am Ende seien das wahrscheinlich alles nur hilfreiche Strategien der Psyche. „Aber warum denn nicht?“, fragt sie und lacht. Wenn es doch glücklich macht!

Ei. Da je! Wenn’s glücklich macht!

Michaela Brohm-Badry. Foto: Lêmrich (Alina Emrich, Kien Hoang Le) / Agentur FOCUS. Foto: Lemrich/Lemrich;Alina Emrich;Kiên Hoàng Lê
Das gute Glück, Cover. Foto: TV/keiner
Lichtblick: Die Sonne scheint vom blauen Himmel auf bunte Blüten. Wer glücklich sein will, sollte sich auf Positives konzentrieren, rät die Trierer Glücksforscherin Michaela Brohm-Badry. Foto: dpa/Frank Rumpenhorst

Michaela Brohm-Badry, „Das Gute Glück“, Verlag EcoWin 2019, 288 Seiten, 24 Euro.

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