Goethe und Schiller - fesselnd und lebendig

Goethe und Schiller - fesselnd und lebendig

Nie vergessene, jedoch leicht angestaubte Genies im Olymp der deutschen Literaturklassik schlechthin, nämlich Goethe und Schiller, wieder ganz lebendig und damit menschlich werden zu lassen, das versteht der Historiker Rüdiger Safranski auf unnachahmliche Weise.

Steinfeld. Wie fesselnd der Historiker Rüdiger Safranksi Leben und Wirken dieser beiden Geistesgrößen darstellen kann, bewies er bei einer Lesung aus seinem jüngsten Bestseller "Goethe & Schiller. Geschichte einer Freundschaft" im Rahmen des "Eifel-Literatur-Festivals" im Hermann-Josef-Kolleg in Steinfeld.

Gab es überhaupt eine enge Freundschaft zwischen Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller? Waren die nicht erbitterte Konkurrenten? Zumindest seitens des zehn Jahre jüngeren Schiller, der mit der Uraufführung der "Räuber" plötzlich bekannt wurde, war das Verhältnis zum längst berühmten Dichterfürsten Goethe wohl auch von Neid auf dessen privilegiertes Leben erfüllt. "Goethe trank drei Liter Rotwein, Schiller war hoch aufgeschossen und schlank", bemerkt Safranski, was bei beiden auf einen gewissen Lebensstil schließen lässt. Zudem war Schiller zeit seines relativ kurzen Lebens - er starb mit 46 Jahren - kränklich.

Da galt er jedoch schon als einer der größten deutschen Dramatiker und war schon Jahre zuvor mit Goethe sozusagen auf Augenhöhe. So verläuft dann auch die erste Begegnung der beiden nach der Italienreise Goethes recht kühl, was bedeutet, Goethe beachtet den Schiller erst gar nicht. So spricht eigentlich von Anfang an alles dagegen, dass es doch noch zu einer echten Freundschaft der beiden kommt, und das ist erst der Fall, als Schiller inzwischen als einer der größten deutschen Dramatiker gilt. Er reist nach Weimar, jedoch ist Goethe noch in Italien. Schiller kommt mit anderen Größen zusammen, hat viel Kontakt mit ihnen. "Ich habe mich selbst für zu klein und die Menschen rings um mich für zu groß gehalten", schreibt er einem Freund. Schließlich kommt es 1794 zu einer erneuten Begegnung der beiden, wobei sie sich bei einem Disput über die Metamorphosen der Pflanzen näherkommen. Goethe, auch Naturwissenschaftler, beschreibt diese eigentlich erste richtige Begegnung als ein "glückliches Ereignis". Safranski bezeichnet es als die Urszene einer Freundschaft, aus der die ganze Beziehung heranwächst, so wie aus einer Urpflanze.

Im gleichen Jahr nimmt Schiller eine Professur in Jena an und gründet die Zeitschrift "Die Horen". Er lädt Goethe zur Mitarbeit daran ein, worauf dieser die Einladung "mit Freuden und mit ganzem Herzen" annimmt.

Die Zusammenarbeit mag dann wohl auch dazu beigetragen haben, dass sich ihre Freundschaft festigt und vertieft. Häufig ist Schiller zu Gast bei Goethe in Weimar und übersiedelt 1799 schließlich ganz. Danach beginnt eine noch intensivere Zusammenarbeit der beiden. Laut Safranski war Goethe eher eine spielerische, Schiller dagegen eine strenge Natur, ein Macher. Goethe hingegen ließ sein Werk wachsen wie seine Pflanzen.

Es seien ganz unterschiedliche Temperamente gewesen, die sich jedoch letztlich hervorragend ergänzten. Das ging sogar soweit, dass sie sich gegenseitig bei ihren Werken unterstützten, ja Goethe überlässt Schiller sogar den Stoff zu "Wilhelm Tell", der das Stück zu einem der erfolgreichsten deutscher Sprache macht. Es wird auch sein letztes Werk, denn 1805 stirbt er nach schwerer Krankheit. Als Goethe die Todesnachricht erhält, ist er zutiefst betroffen, obwohl er das Ende schon geahnt hatte.

Wie Josef Zierden, Initiator und Organisator des "Eifel-Literatur-Festival" ankündigte, schaffe es in Deutschland nur einer, seine Leser und sein Publikum derart zu fesseln, um "Denken als spannendes Abenteuer" zu erfahren. So glich Safranskis Vortrag denn auch nicht einer Lesung aus seinem Buch. Er verstand es, in lockerem, oft auch humorvollem und mit leichter Ironie gespicktem Erzählton eine spannende Geschichte über die Freundschaft der beiden größten deutschen Geistesgrößen zu erzählen, die zeitlos durch ihre menschlichen Hintergründe wurde. Entsprechend war das Publikum in der voll besetzten Aula des Hermann-Josef-Kollegs von dieser aufschlussreichen und auch unterhaltsamen Veranstaltung sicher nachhaltig beeindruckt.

zur person

Rüdiger Safranski (geb. 1945 in Rottweil) ist seit 1987 freier Schriftsteller in Berlin. Er ist Autor diverser Biographien, unter anderem E.T.A Hoffmann, Schopenhauer, Heidegger, Nietzsche, Friedrich Schiller. Bekannt ist er durch die Moderation mit Peter Sloterdijk in der ZDF-Sendung "Philosophisches Quartett".

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