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Götter-Trip in Feinripp-Boxern

Götter-Trip in Feinripp-Boxern

Psychedelischer Götterwahn trifft Feinripp-Buxe: Wem das bekannt vorkommt, der hat sich wohl auch das Konzert der Schwedenrocker Mando Diao in der Rockhal in Esch-sur-Alzette angeschaut. Die berühmten Nordeuropäer spielten vor 1300 Fans. Und irgendwie war alles anders als sonst.

Esch-sur-Alzette. Oberkörperfrei wandeln die Frontmänner von Mando Diao, Gustaf Norén und Björn Dixgård, auf die Bühne in der Luxemburger Rockhal. So manchem weiblichen Fan mag bei dieser Vorstellung das Wasser im Mund zusammenlaufen. Doch die Jungs tragen weiße Saunatücher um Schulter und Hüften geschwungen, unter denen unattraktive weiße Feinripp-Boxer hervorblitzen. Das Szenario erinnert an experimentelles Musiktheater, in dem Norén und Dixgård groteske griechische Götter darstellen, flankiert von zwei Säulen links und rechts der Bühne. Der gepflegte Mando-Diao-Fan mag sich fragen, wer die Jungs da sein mögen, denn auch der Sound ist anders. Psychedelisch, getragen, ein wenig anstrengend. Denn die erste Stunde des Konzerts rockt so gar nicht. Die Frontmänner singen "Lonely Driver", "Sweet Wet Dreams" und "Forgive Forget". Die 1300 Fans starren bewegungslos auf ihre Schwedenrocker. Als würden sie diese Götter in Saunatüchern anbeten. Oder als könnten sie nicht fassen, was sich da oben abspielt. Sogar aus "Mr. Moon" machen die Schweden eine Art Schlaflied. Später betritt der Rest der Band in Weiß gehüllt die Bühne. Die Frontmänner berühren zwischendurch ein altarähnliches, pyramidenförmiges Gebilde in der Mitte, das farbig blinkt. Erst nach mehr als einer Stunde, nennen wir es den zweiten Akt des Stücks, dürfen die Zuschauer mitspringen und singen. Da sind sie wieder, die Schwedenrocker, mit "Gloria", "Black Saturday" und schließlich dem wunderbar mitreißenden "Dance With Somebody".
Die Schweden wissen genau, was sie da tun. "Ihr guckt jetzt auf eure Tickets und fragt euch, ob das die richtige Entscheidung war." Und sie ziehen ihre Show einfach durch, so seltsam sie in Teilen auf andere wirken mag. Denn auch mit ihrem neuen Album "Aelita" hat sich Mando Diao nach eigenen Angaben weiterentwickelt. "Keines unserer Alben ist wie das vorherige. Wir sind immer auf der Suche nach neuen Dimensionen, und eine weitere haben wir mit ,Aelita\' gefunden", sagen die Jungs auf ihrer Homepage.
Doch auf eines konnte man sich auch bei diesem Konzert verlassen: die fantastischen und einzigartigen Stimmen der beiden Leadsänger, die gleichzeitig Gitarre spielen. Ob sie mit ihrem Album ihre alten Fans behalten oder ganz neue Fansphären betreten, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat, bleibt offen. Aberdiese Schweden von Mando Diao machen eben ihr Ding.