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Rezension: Goldene Tage

Rezension : Goldene Tage

Zu einer Zeit, als Hollywood noch groß war, seine Filme größer als das Leben, Doris Day und Rock Hudson auf der Leinwand ein Liebespaar waren und jeder in der Filmindustrie bei diesen und anderen Heucheleien eifrig mitmachte. Als es, zumindest offiziell, keine hässlichen Produzenten gab, die Filmsternchen vor die Wahl stellten, sich auf die Besetzungscouch zu legen oder die Karriere gleich zu vergessen - in jenen märchenhaften Zeit also, da alles, was in der Pappmachéwelt schmutzig oder anrüchig war, in abgelegene Ecken verbannt wurde, in die die Scheinwerfer nicht hineinleuchteten, da hatte auch er seine große Zeit: Orchesterleiter Percy Faith, der 1908 in Ontario geboren wurde und 1976 im kalifornischen Encino starb.


Der Kanadier, der 1945 die amerikanische Staatsbürgerschaft beantragte und erhielt (auch so eine Wahnsinnstat, die derzeit wohl kein vernünftiger Menschen unternähme), gehörte mit seinen Orchestern (das erste gründete er 1931 für die Canadian Broad casting Corporation) zu den Erfindern des "easy listening", dem populären Vorläufer von James Lasts "Partysound", der am Ende seiner Entwicklung zu einem mehr oder weniger musikalischen Grundrauschen ("Fahrstuhlmusik") wurde, das nicht weiter stört.
Davon war Percy Faith, der seine Träume von einer Pianistenkarriere nach einem Unfall aufgeben musste, in der Mitte des vorigen Jahrhunderts freilich weit entfernt. Seine ausgefeilten Orchesterfassungen mit üppigem Streicherklang und markanten Bläsersektionen, bisweilen unterfüttert von swingenden Rhythmusgruppen, waren auch bei Sänger(inn)en ausgesprochen beliebt. Er begleitete unter anderem Stars wie Rosemary Clooney (die Tante von George), Tony Bennett, Sarah Vaughan, Marlene Dietrich oder Frank Sinatra.
Auf dieser Doppel-CD widmet er sich nun ausschließlich den großen Filmkompositionen vor allem aus den 1950- und 60er Jahren - von "El Cid" bis "Frühstück bei Tiffanys", "Exodus" oder "Sonntags nie". Mal spürt er der Stimmung eines Films sehr genau nach, mal kontrastiert er die Atmosphäre der Geschichte mit sehr eigenwilligen Orchesterversionen. Zu seinen erfolgreichsten Arrangements gehörte die Titelmusik zum Film "A Summer Place" (deutscher Titel "Die Sommerinsel"). Seine Version der Komposition des aus Österreich stammenden Max Steiner, auf dieser CD einer von insgesamt 24 Stücken, brachte Percy Faith den "Grammy" für die beste Filmmusik des Jahres 1961 ein. Rainer Nolden
Hollywood's Great Themes - Percy Faith and his Orchestra. Jackpot Records 48766, über in-akustik