Goldmeister und die Ragtime-Bandits begeistern in Trier

Mosel Musikfestival : Rap und Swing – aber Dalli Dalli!

Ungewöhnliche, aber Laune machende Musik beim Open-Air-Konzert des Moselmusikfestivals.

Das geht direkt durch die Ohren über den Bauch in die Beine: Als die Ragtime Bandits das Konzert mit der – lange nicht gehörten, aber dennoch sofort wiedererkennbaren – Titelmelodie der 70er/80er-Jahre-Rateshow Dalli Dalli loslegen, fühlen sich die Zuschauer älteren Semesters um Jahrzehnte zurückversetzt und swingen im Takt der Melodie von Heinrich Riethmüller.  Dann erscheint – nein, nicht Moderator Hans Rosenthal – sondern das Duo Goldmeister und übernimmt mit seinem Rap-Gesang das musikalische Kommando, sie machen Tempo, Dalli Dalli halt. Philipp Ohleyer und Chris Dunker machen schon seit einigen Jahren mit verswingten Versionen deutscher Rap-Klassiker von sich reden, ihre Versionen der Hits von Fettes Brot, den Fantastischen Vier oder von Sido („Kennt den überhaupt jemand hier?“ ruft Ohlmeyer ins Publikum und erntet, wie erwartet, Kopfschütteln), kommen beim Publikum im weiten Karree des Innenhofs des kurfürstlichen Palais in Trier bestens an. Stand in den Vorjahren die Bühne an der Ziegelwand zur Basilika, wurde sie jetzt – wegen eines Baugerüstes am alten Standort – gegenüber am Palais platziert. Optisch, atmosphärisch und akustisch ist das ein Gewinn. Zumal bei kleineren Konzerten, wie diesem mit gut 300 Besuchern, der Innenhof geschickt aufgeteilt werden kann und ein Gefühl von Großzügigkeit vermittelt. Die Ragtime-Bandits, eine siebenköpfige Swing-Combo mit Bläsern, Banjo, Drums und Piano geben Feuer, sie sind weit mehr als Begleitung und glänzen im zweiten Teil mit starken Soli und witzigen Moderationen. Musik von Udo Lindenberg („Cello“), Udo Jürgens (zum Mitsingen: „Ich war noch niemals in New York“), Peter Fox („Haus am See“,) den Söhnen Mannheims und Xavier Naidoo („Wenn ein Lied meine Lippen verlässt“) sorgen für Gänsehautstimmung; Feuerzeuge und Smartphone-Lampen flammen auf. Einige Zuschauer haben sich zum zweiten Konzertteil zu den Stehplätzen im Hintergrund begeben, dort kann man etwas trinken und ungestört tanzen.

Besonders stark: Die eigenen Songs von Goldmeister wie „Ihr Tatoo“. Ob die nicht wirklich gute Textverständlichkeit technische oder stimmliche Gründe hatte, sei einmal dahingestellt. Das Publikum jedenfalls spendet großen Applaus, um Jahrzehnte zurückversetzt fühlt sich auch eine ältere Dame und dankt den zum Schluss mitten im Publikum singenden und spielenden Musikern: „Sie haben mich heute 20 Jahre jünger gemacht!“ Chapeau!

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