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Grafitti-Künstler Saruk: Große Liebe zur kreativen Sprühdose

Kunstwerk der Woche – Saruk : Große Liebe zur kreativen Sprühdose

Kreativität besitzt Saruk jede Menge. „Ich liebe die Kunst und ich liebe kreative Menschen, die geile Sachen machen“, sagt er. Und das Adverb „geil“ passt auf jeden Fall auf das, was der Sprayer schafft.

Saruk ist der Künstlername des 21-jährigen Studenten der Hochschule Trier, der seinen bürgerlichen Klarnamen nicht öffentlich machen möchte.

Dafür sind seine Arbeiten umso öffentlicher. Saruks einfallsreiche Graffiti-Bilder sind vielerorts im Stadtraum von Trier zu bewundern, etwa am Südbahnhof, am Messepark, in der Eisenbahnunterführung von Kürenz, im Schammat und natürlich auch am Ex-Haus. Für die Hafen-Ausstellung „Ahoi“ hat er einen Container (Foto: Eva-Maria Reuther) gestaltet, der aktuell in der Kunsthalle Trier oben in der Europäischen Kunstakademie zu sehen ist, übrigens seine erste Ausstellungsbeteiligung.

Die Schriftkunst der Graffitis gehört heute zur urbanen Kultur. Aus öden Hauswänden, Industriebrachen, heruntergekommenen, schmutzigen Orten wie Unterführungen machen sie echte Hingucker. Auch Saruk liebt – wie er sagt – die gestalterische Herausforderung solcher Orte. Trotz ihrer Allgegenwart haftet den gesprühten mobilen Kunstwerken für viele Menschen noch immer etwas Anrüchiges an. Das rührt nicht zuletzt von der illegalen Protestkunst der 1970er Jahre, als in den Hotspots von New York und Los Angelas eine marginalisierte Jugend ihre Kampfparolen an die Mauern von Banken, Bürohäusern oder Fabriken sprühte. Sie lösten einen Graffiti-Boom aus, der schnell Europa erreichte.

Inzwischen hat sich die 2000 Jahre alte Schriftkunst, deren Zeichen – wie der Name sagt – ursprünglich in den Putz geritzt wurden, zu einer Kunst entwickelt, die als Sammelbegriff alle möglichen Techniken vom Ritzen bis zum Sprayen und Formate von der Streetart und der zufälligen, unorganisierten Kunst bis hin zu Auftragswerken versammelt. Der spektakulärste deutsche Graffiti-Malgrund war übrigens die Berliner Mauer. Politischen Protest formulieren Graffitis längst nicht mehr überall. Dagegen haben sich die abstrakten Zeichen wie in Trier vielerorts zu opulenten fantasievollen Bilderzählungen ausgewachsen.

Spannend bleiben die Bilder allemal. Überraschend, wie sie sich im urbanen Raum darstellen, haben sie zudem etwas Geheimnisvolles, das dem Betrachter neue Vorstellungswelten öffnet. Das reizt auch Saruk, der fasziniert ist von der Vielfalt der Graffiti-Kunst, einschließlich jener illegalen, die bei Nacht und Nebel unsichtbar entsteht. Schon zu seiner Schulzeit im Saarland hätten ihn Graffitis beeindruckt, erzählt der Künstler.

Richtig mit der Sprühdose zu arbeiten, begann er 2020. „Seitdem versuche ich, mich immer weiterzuentwickeln“. Dabei helfe ihm auch sein Studium des Kommunikationsdesigns. Für Saruk ist die Graffiti-Kunst ein Mittel der Kommunikation, das vor allem junge Leute vermehrt erreicht, nicht zuletzt über die sozialen Medien. Da wird Instagram zur öffentlichen Wand. Nach dem Studium will sich Saruk professionell übrigens noch einer anderen Kreativität widmen. Er will als Tätowierer arbeiten.
Eva-Maria Reuther

Kontakt: Saruk ist bei Instagram.