Graham Gouldman von 10cc über seine vielen Hits und die Show in Luxemburg

Rock : Zehn Dinge über 10cc und den Hitschreiber

10cc hat in den 70ern Rockgeschichte geschrieben. Gründungsmitglied Graham Gouldman über seine vielen Hits, die Ramones, eine Tour mit einem Beatle und das  Konzert in Luxemburg.

Graham Gouldman – nie gehört? Das dürfte einigen beim Lesen des Namens so gehen. Aber wer in den vergangenen Jahrzehnten ab und zu mal ein Radio angeschaltet hat, kennt Songs des britischen Musikers. Versprochen! Der TV hat vor dem 10cc-Konzert im Luxemburger Atelier mit Gründungsmitglied und Hit-Songwriter Gouldman (73) telefoniert. Hier gibt’s 10 Fakten über Gouldman und 10cc. Gut möglich, dass beim Lesen dieses Artikels die Jukebox im Kopf anspringt.

1 Reggae? Mag ich nicht! Ende der 70er, Graham Gouldman macht Urlaub in der Karibik – und kommt mit einem Jamaikaner ins Gespräch: „Ich fragte ihn, ob er Cricket mag, der Sport ist sehr beliebt in Jamaika. Er sagte nein - und ich war überrascht. Dann entgegnete er: Ich mag Cricket nicht – ich liebe es!“, erzählt Gouldman dem TV. Die Zeile bleibt hängen, gemeinsam mit Eric Stewart schreibt er zum ersten Mal ein Reggae-Stück für 10cc. Ein Auszug aus dem Refrain: „I don’t like Reggae, oh no, I love it!“ „Dreadlock Holiday“ wird weltweit ein Hit, schafft es 1978  nicht nur in Großbritannien an die Spitze der Charts.

2 Heute keine Milch, bitte! Die Themen liegen auf der Straße, die Ideen hängen an der Haustür. „No Milk Today“, diese Nachricht liest Gouldman als junger Mann zufällig bei einem Spaziergang – er macht sich Gedanken, was hinter der lakonischen Absage an den Milchmann stecken könnte. Vielleicht: Die große Liebe ist ausgezogen! Das Ende aller Hoffnung, „the end of all my dreams“. Heute keine Milch, bitte! Das von Gouldman komponierte „No Milk Today“ wird ein Riesenhit für Herman’s Hermits 1966.

3 Guildo ist verliebt, 10cc nicht: Michael Kernbach, als „Hoppla! B. Benito“ Gründungsmitglied von Guildo Horn und den Orthopädischen Strümpfen, hat gute Erinnerungen an einen weiteren Nummer-eins-Hit von 10cc aus dem Jahr 1975. „Der erste Welthit, an den wir uns damals mit einer eigenen deutschen Version herangetraut haben, war I´m Not In Love“, sagt er über das nur so mäßig akkurat übersetzte „Ich bin verliebt“: „Das aufblasbare Gummiherz, das der Horn sich für den Song an die Stirn klebte, war fester Bestandteil der Live-Show der ersten Jahre.“ Übrigens: Auch Guns N’Roses-Frontmann Axl Rose ist großer Fan des Songs.

4 Erfolgreich Eric Clapton vertreiben? Check! Als Teenager schrieb Graham Gouldman „For Your Love“ (1965) – eigentlich für seine damalige Band The Mockingbirds. „Es war mit dem Tempowechsel ein ungewöhnlicher Song für die damalige Zeit“, sagt Gouldman. Aus dem Stück wurde dann eine Single der Yardbirds – und ihr erster Hit, der Durchbruch für Gouldman als Komponist. Gitarrist Eric Clapton war’s zu wenig Bluesrock, er verließ danach die Yardbirds. Für ihn kam erst Jeff Beck, später Jimmy Page – auch keine ganz schlechten Gitarristen. „Die Richtung gefiel Clapton nicht, es war ihm zu kommerziell“, sagt Gouldman, für den „For Your Love“ heute noch zu seinen Lieblingskompositionen gehört – neben „Bus Stop“, seinem Hit für die Hollies, und „I’m Not in Love“ von 10cc.

5 Eine große Inspiration aus ­Liverpool. Als Teenager sah der in Manchester aufgewachsene Gouldman die Beatles live. Das hinterließ mächtig Eindruck. „Sie waren und sind ein großer Einfluss – nicht nur fürs Songwriting, sondern auch, was Produktion oder Arrangements betrifft.“

6 Eine schnelle Rückkehr nach Luxemburg: Mit einem Beatle stand Gouldman vor anderthalb Jahren unter anderem in der Luxemburger Rockhal auf der Bühne – mit Ringo Starr & his All-Starr Band: „Das war eine tolle Europa- und USA-Tour. Wir spielten auch drei Songs von 10cc.“ Gouldman freut sich auf die Rückkehr nach Luxemburg mit 10cc am 23. April  – dann spielt er im intimeren Rahmen im Atelier. „Wir spielen alle 10cc-Hits – und mehr.“

7 Doppeltes Duo in den Anfangsjahren von 10cc: In der Band gab’s zwei gut harmonierende Songwriter-Duos, zum einen Gouldman und Stewart mit ihrem Gespür für große Melodien – und zum anderen Kevin Godley und Lol Creme, die bei 10cc auch für avantgardistischere Momente zuständig waren. Ihre neunminütige Mini-Rockoper „Une Nuit a Paris“ gilt als wichtiger Einfluss auf „Bohemian Rhapsody“ von Queen. Godley und Creme stiegen 1976 bei 10cc aus (mit Ausnahme eines kleinen Intermezzos in den 90ern) – und hatten als Duo und Videoproduzenten großen Erfolg.

8 Flexibel sein ist alles: 1980 schrieb Gouldman den Soundtrack für den erfolgreichen Kino-Zeichentrickfilm „Die Dschungelolympiade“ (Animalympics), 1982 ein Album für den irischen Songwriter Gilbert O’Sullivan. Und dazwischen arbeitete er mit den US-Punkrockern Ramones an Songs wie „The KKK took my Baby Away“ fürs Album „Pleasant Dreams“. „Die Ramones und Gilbert O’Sullivan hintereinander – das war schon ein ungewöhnlicher Mix“, erinnert sich Gouldman.

9 Brückenbauer in den 80ern: Gouldman hatte nicht nur in den 60ern und 70ern Hits. Er bildete mit Andrew Gold das Popduo Wax. „Building a Bridge to Your Heart“ war 1987 ein Hit.

10 Gibt’s ein Patentrezept für den perfekten Popsong? „Das werde ich oft gefragt“, sagt Graham Gouldman. „Ich habe keins. Ich setze mich mit der Gitarre hin und schaue, ob eine Akkordfolge mich zu einer Melodie oder einem Text inspiriert. Manchmal kommen die Melodien auch beim Spazierengehen. Das war bei meinem neuen Soloalbum sehr oft so. Das wird im März erscheinen.“ Das Songschreiben hänge auch nicht von der persönlichen Stimmung ab. „Es gab noch nie eine Phase, in der ich keine Lust mehr hatte, Songs zu schreiben.“

10cc spielt am 23. April in Luxemburg (Den Atelier, atelier.lu) - mit Bandgründer Graham Gouldman (Bass, Gitarre, Gesang), Gitarrist und Sänger Rick Fenn, Schlagzeuger Burgess, Sänger Iain Hornal und Keyboarder Keith Hayman.