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Grammy-Gewinner Gast Waltzing jazzt im Weingut Van Volxem

Jazz : Sternstunde mit Grammy-Preisträger

Eine perfekte Kombination – das ist das Erfolgsrezept des Konz-Musikfestivals in schwierigen Zeiten: Ein musikalischer Weltstar und ein international berühmtes Weingut mit spektakulärem Ambiente zum Abschlusskonzert.

„Der Mann ist der Knaller“, sagt ein Zuschauer schon zur Pause des letzten Konzertes des Konz Musikfestivals in dieser Saison. Gemeint ist Gast Waltzing, der luxemburgische Trompeten-Virtuose, Jazzer, Komponist, Dirigent und begnadeter Entertainer. Ein Geschichtenerzähler, der das Publikum auf das Vortrefflichste mit seiner Kunst unterhalten kann. Zudem schmückt seine Vitrine seit 2016 ein Grammy-Award für das Weltmusik-Album „Sings“.

Cool-Jazz im Weingut Gastgeber des Abends mit 160 Besuchern ist Roman Niewodniczanski, der vielfach ausgezeichnete Wein-Mogul von der Saar auf seinem Gut „Van Volxem“ bei Wiltingen. Dessen spektakulärer Fasskeller bietet den, trotz schwieriger Akustik exzellent beschallten und stimmungsvoll beleuchteten (Kaudio Eventtechnik) Rahmen. Das Jazz-Trio mit Waltzing, seinem ebenfalls am Grammy-Album beteiligten Gitarristen David Laborier und dem jungen Bassisten Max Serra spielt Klassiker von Miles Davies oder Chet Baker genauso wie die großartigen Eigenkompositionen von Waltzing und Laborier. Ein bisschen Percusssion steuert – wo nötig – die Elek­tronik bei.

Die meisten Lieder sind wohl, wie der Bandleader augenzwinkernd erzählt, unter dem Einfluss diverser Alkoholika entstanden, so „Moon over Sapporo“ beim Sake-Reiswein in Japan und „Glad you are here“ beim Whisky mit Absinth(!) in New Orleans. Und natürlich zu dem einzigen Zweck, die Damenwelt zu beindrucken, klar, oder?

Das ist Cool-Jazz vom Feinsten, es groovt und swingt, mal wie ein Gospel mal wie ein Blues. Chet Bakers „There will never be another you” muss Multitalent Waltzing, der auch Dozent des luxemburgischen Musik-Konservatoriums ist, bei manchen Aufnahmeprüfungen dutzendfach hören, hier spielt er deshalb eine zarte Samba, Rumba, Bossa-Nova-Version. All‘ das ist technisch perfekt, musikalisch hochklassig und mit den virtuos improvisierten Soli begeisternd. Die Trompete strahlt, die Gitarre treibt den Sound nach vorne und der Bass legt den sonoren Klangteppich.

Musik und Kulinarik Davor, danach und zwischendurch gibt es Sekte und Weine des Hauses und Jörg Linden (Lindens Restaurant in Ayl) hat ein famoses „Flying Dinner“ vorbereitet, das quasi im Vorbeigehen genossen wird.

Eine runde Veranstaltung, gekrönt von einer poetischen Version des von Prince komponierten und von Sinéad O’Connor gecoverten „Nothing compares to you“. Verdienter, stehender Applaus ist der Lohn für diese (drei) Sternstunde(n) des Festivals.

Fazit der Veranstalter Organisator Johannes Tittel, dessen letzte Amtshandlung in Diensten der Stadt Konz dieses Konzert war, und Joseph Mogg, auch weiterhin der musikalische Leiter, sind grundsätzlich sehr zufrieden mit dem Verlauf der 10 Konzerte in zwei Wochen. Der Mix zwischen ungewöhnlichen Orten, wie (Weingüter, Kirchen, Museen und sogar eine Tennishalle) in Kombination mit hochklassigen Künstlern habe für eine gute Auslastung gesorgt. Die Umstände nach den Coronabeschränkungen seien weiter schwierig – manch‘ anderer Veranstalter musste Einbußen hinnehmen – aber das Konz Musikfestival stehe auf gesunden Füßen.

Großzügige Sponsoren, die Verbandsgemeinde und die Stadt Konz haben den Spielbetrieb unterstützt, man ist sich aber bewusst, dass in Krisenzeiten bei den Zuschüssen der öffentlichen Hand ein gewisser Unsicherheitsfaktor bestehe. Angesichts des äußerst positiven Zuschauer-Feedbacks ist Tittel und Moog aber nicht bange um die Zukunft.