1. Region
  2. Kultur

Gratis-Nahrung für Kopf und Herz

Gratis-Nahrung für Kopf und Herz

TRIER. Das traditionelle Symposium im Rahmen der Antikenfestspiele wartet in diesem Jahr erstmals mit einer eigenen Produktion auf: Neben den wissenschaftlichen Vorträgen und musikalischen Kostproben erlebt das Stück "Die Geburt der Athene" des Schweizer Komponisten Gion Antoni Derungs seine deutsche Erstaufführung.

Die Trierer Sängerin Angelika Schmid (Foto: Theater Trier) hat die "Szene in drei Gesängen" eher zufällig entdeckt und gemeinsam mit dem Stuttgarter Regisseur Bernd Schmitt für die Bühne erarbeitet. "Mein Herzenskind" nennt die Mezzosopranistin das Werk, das die Auseinandersetzung dreier Frauen aus der griechischen Mythologie mit Göttervater Zeus nachzeichnet. "Die Geburt der Athene" sei "ein sehr gelungenes Beispiel für eine zeitgenössische Rezeption antiker Themen", befindet Musikdramaturg Peter Larsen. Die erste Eigenproduktion des Symposiums sei "weit mehr als eine Einlage", betont Professor Hartmut Köhler, der die gemeinsame Veranstaltung von Uni und Theater seit Jahren betreut. Das Symposium entwickele sich weiter, die Begegnung zwischen Hochschule und Festspielen sei anno 2005 "wesentlich intensiver als in den letzten Jahren". Geblieben ist das Grundkonzept: Wissenschaftler arbeiten in einer auch für Laien verständlichen Art und Weise die Themen auf, mit denen sich die Produktionen der Festspiele beschäftigen. Im Mittelpunkt steht diesmal das Musical "Quo vadis" um den römischen Kaiser Nero. "Der Künstler als Tyrann" – so lautet denn auch der Titel des Vortrags, in dem sich der Historiker Heinrich Schlange-Schöningen von der FU Berlin mit der zwiespältigen Persönlichkeit Neros auseinander setzt. Über die literarischen Vorlage von "Quo vadis", den Roman des Polen Henryk Sienkiewicz, referiert die Trierer Slawistik-Professorin Henrieke Stahl. Das Monumental-Werk, das seinem Autor einen nicht unumstrittenen Nobel-Preis einbrachte, hat vielfältige politische und zeitgeschichtliche Hintergründe.Ob die wissenschaftlich fundierte Beschäftigung mit dem Thema eine gewisse "Fallhöhe" zum eher leichten Genre des Musicals aufweist, will Hartmut Köhler "der Zukunft überlassen", sprich: Der späteren Premiere der Produktion. Immerhin ist das Symposium diesmal die Eröffnungsveranstaltung der gesamten Festspiele – noch eine beachtliche Aufwertung.Auch der diesjährigen Opernproduktion, Verdis "Attila", widmet sich die Veranstaltung. Allerdings nicht mit wissenschaftlichen Vorträgen, sondern mit einer Einführung durch Generalmusikdirektor Istvan Dénes. Die Solisten Gor Arsenian, Laszlo Lukacs und Juri Zinovenko liefern Kostproben aus dem hierzulande eher unbekannten Werk um den Hunnenkönig und seine kriegerischen Fehden mit den Römern.Eine Opern-Erstaufführung, zwei wissenschaftliche Vorträge, eine Werk-Einführung samt musikalischer Schmankerl: All das steht dem Trierer Publikum wie gewohnt kostenlos zur Verfügung. Dank der Unterstützung durch die Nikolaus-Koch-Stiftung kommt das Symposium auch 2005 ohne Eintrittsgelder aus. Die Veranstaltung im Audimax der Uni beginnt am Donnerstag, 9. Juni um 18 Uhr.