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Grauer Würfel, wie geht es weiter? - Podiumsdiskussion zur Zukunft des Theaters Trier

Trier. Bis Ende des Jahres soll der Trierer Stadtrat einen Grundsatzbeschluss zur Sanierung des Theaters fassen. Bis dahin ist auch klar, wie es um die Statik des Gebäudes steht, dessen Zukunft Thema einer gut besuchten Podiumsdiskussion war. Katharina Hammermann

Trier. Hitze hatte sich hinter der einfach verglasten Fensterfront des Foyers gestaut. Und so freuen sich die 200 Menschen über den warmen Wind, der vom Garten hinter dem Theater durch die geöffneten Türen zu ihnen weht. Zig Zuhörer müssen stehen, um unter dem Titel "Quo vadis, Theater Trier?" eine Podiumsdiskussion zur Zukunft des Theaterbaus zu verfolgen. Die Stühle reichen nicht.
Es ist offensichtlich, dass das Schicksal dieses 50 Jahre alten Hauses viele Menschen bewegt. Die 200, die da sind, hängen an ihrem Theater. "Aber es gibt noch 107 000 Leute in der Stadt", sagt Oberbürgermeister Wolfram Leibe. Keine andere Frage werde ihm angesichts geschlossener Turnhallen und sanierungsbedürftiger Schulen so oft gestellt wie: Wie können Sie nur so viel Geld für das Theater ausgeben? Mögen 45 Prozent der Besucher auch aus dem Umland kommen - bezahlen müssen die Trierer Steuerzahler.
Mindestens 50 Millionen Euro wären nötig, um das Schauspielhaus abzureißen und neu zu bauen. Und bis vor kurzem war genau dies geplant. Ein Vorhaben, das der Oberbürgermeister stoppte, kaum dass er im Amt war. Diplomatisch lobt er am Donnerstagabend die "supertolle Raumplanung", die ihm vorgelegt worden war, und zeigt Verständnis für das Vorgehen derer vor ihm: Da es am Augustinerhof innerhalb der bestehenden Mauern lediglich 5000 Quadratmeter Platz gebe, man für ein Drei-Sparten-Haus jedoch 9000 Quadratmeter brauche, sei die Planung Richtung Neubau gegangen. "Auf der anderen Seite bin ich ein Haushalter und habe gesagt: Ich will Fakten", sagt Leibe. Die wird er bald bekommen.
Bis September soll die Statik des Hauses überprüft sein. Zwölf Büros wurden angeschrieben und gefragt, ob sie Interesse daran hätten. Sehr zum Unmut des ehemaligen Diözesanarchitekts Alois Peitz. "Mit Statikern kann ich jedes Gebäude kaputt- oder gesundrechnen", sagt er und fordert, einen externen Spezialisten für Theaterbau zu beauftragen. Leibe und Kulturdezernent Thomas Egger versichern daraufhin, dass sie externen Sachverstand hinzuziehen. Wie Peitz, der den Würfelbau für schützenswert hält, hofft auch Leibe, dass das Haus mit wenigen Eingriffen erhalten werden kann. Er verstehe nicht, warum so mancher einen Zweitstandort verteufelt. Aktuell sei das Theater wegen Platzmangels auf sieben Standorte verteilt. Da wären zwei doch ein deutlicher Fortschritt.
Auch Karl Sibelius hat sich inzwischen von der für einen Intendanten charmanten Idee eines großen Neubaus gelöst. Obwohl das Haus hinter den Kulissen einer Messiwohnung gleiche, in die man alles hineinstopfe und die Mitarbeiter gezwungen seien, unter "menschenunwürdigen Bedingungen" zu arbeiten. Der Sinneswandel erfolgte nicht nur aus Respekt vor der Architektur des Graubnerbaus aus dem Jahr 1964, "sondern auch aus Respekt vor dem Steuerzahler", sagt Sibelius.
Es läuft aktuell daher alles auf ein Theater an zwei Standorten hinaus. Das Haus am Augustinerplatz soll "das Herz des Theaters" bleiben. Am Zweitstandort könnten Musicals aufgeführt werden, Ballett- und Probenräume sowie sämtliche Werkstätten untergebracht werden. Im Gespräch ist, das ehemalige Walzwerk in Trier-Kürenz anzumieten (der TV berichtete). Entschieden ist allerdings noch nichts.
Aber wäre das denn ein geeigneter Zweitstandort? "Alte Industriehallen - besser geht es nicht", sagt Architekt Matthias Sieveke, Dekan des Fachbereichs Gestaltung an der Hochschule Trier und verweist auf den ehemaligen Schlachthof in Madrid, der zum Anziehungspunkt für Kreative aus ganz Europa wurde. Er hofft, dass der Zweitstandort auch junge Leute begeistert. Und für den Augustinerhof rät er der Stadt dringend, auch den unattraktiven Platz zu gestalten. Aktuell parken dort Autos.
Da Peitz eine andere Kultur des Miteinanders in der Planung fordert und das Publikum die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt kritisiert, appelliert Moderator Kurt Bohr, Herausgeber des Kulturmagazins Opus, die Menschen künftig mitzunehmen. Zusammen mit der Architektenkammer und dem Trier Forum hatte Bohr die Diskussion organisiert. "Wir werden die Bürger beteiligen", verspricht Leibe.
Offener als jetzt soll nach Wunsch des Intendanten in spe auch das Haus selbst sein. Ein Gebäude, das die Trierer, so Sibelius\' Hoffnung, mit Stolz erfüllt. Bis Ende 2015 soll ein Grundsatzbeschluss fallen, wie es mit dem grauen Würfelbau weitergeht.Meinung

Vernünftiges Vorgehen
So schön es wäre, 50, 80 oder 100 Millionen Euro für ein schickes, neues Theater auszugeben, so gefährlich wäre dies angesichts der finanziellen Zwangslage Triers, die sich in geschlossenen Turnhallen, kaputten Straßen oder maroden Schulen überdeutlich äußert. Das Theater liefe Gefahr, die Wut all derer auf sich zu ziehen, die sich benachteiligt fühlen. Und das wären denkbar schlechte Voraussetzungen für einen Neustart. Daher ist die nun angestrebte Lösung vernünftig: Erst einmal gucken, wie es um die Substanz des alten Hauses steht, Sanierungskosten realistisch berechnen, einen geeigneten Zweitstandort finden und dann entscheiden. Die Idee einer Zwei-Standort-Lösung ist aber nicht nur deshalb gut, weil sie wohl weniger kostet. Sie ist auch höchst charmant. Würde Trier so doch ein neues Kulturzentrum gewinnen, das ein jüngeres Publikum anspricht. k.hammermann@volksfreund.deExtra

Nach einem Stadtratsbeschluss von 1959 sollte das Trierer Theater nicht am Augustinerhof, sondern auf dem Gelände der antiken Kaiserthermen entstehen. Die Pläne wurden aus Gründen des Denkmalschutzes nach einem Artikel in der FAZ 1960 deutschlandweit heftig kritisiert, so dass die Politik 1961 entschied, am Augustinerhof zu bauen. Was dort nun steht, ist nur ein erster Bauabschnitt: Ursprünglich war geplant, den 1964 fertiggestellten Bau bis zum Viehmarktplatz und zur Antoniuskirche zu erweitern. kah