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Grenzenlose Bücherlust

Grenzenlose Bücherlust

Wer liest, weiß Bescheid: Bücher sind Lustgewinn, erst recht, wenn sie künstlerisch gestaltet sind. Bücherlust machen auch die Künstlerbücher, die derzeit in der Katholischen Akademie Trier gezeigt werden.

Trier. "Aspiration" (Hoffnung, Bestrebung) heißt die Schau, in der Studierende der Fachhochschule Trier gemeinsam mit ihren Kollegen von der Akademie der Schönen Künste in Bratislava künstlerisch gestaltete Bücher ausstellen. Allesamt sind die gezeigten Stücke Semester und Diplomarbeiten. Gestrebt wird- dem Titel entsprechend - nach einem vereinten Europa, in dem Ost und West gleichberechtigt sind. "Wenn wir von Europa sprechen, denken wir meist nur an den Westen", sagt Aniela Kuenne-Müller. Mit Hilfe der Bücherschau soll der Blick einmal in die andere Richtung gelenkt werden. Zusammen mit ihrem tschechischen Kollegen Du¨an Kállay hat die Spezialistin für Buchdesign das Projekt betreut. "Der grenzüberschreitende Austausch ist mir ganz wichtig", sagt die Trierer FH-Professorin. Die jungen Buchkünstler gehen mit Phantasie und Witz und jeder Menge Engagement ans Werk. Zu sehen sind in den etwas gedrängt stehenden Vitrinen ansehnliche Buchillustrationen in klassischen Techniken wie Zeichnung, Radierung, Linolschnitt oder Malerei. Das Leporello ist vertreten, eine große Rolle spielen Typografie und Papierqualität. Was hier ebenso sichtbar wird, ist die lange und reiche Tradition der tschechischen Buchkunst, aus der die Studenten schöpfen. Grenzwanderer zwischen Buch und Objekt

Am interessantesten sind freilich die Bücher, die sich als Grenzwanderer zwischen Buch und Objekt präsentieren oder gleich selbst Kunstobjekte sind. "Die Definition ,Künstlerbuch ist fließend'", bestätigt Kuenne-Müller. Das Buch wird zur Bühne in Ishida Nanakos "Das Theater auf dem Wasser". Ein keltisches Buch aus Holzstücken am Lederband legt Daniel Jäck vor. Neben klassischen literarischen Texten ist Europa selbst Thema. Einen Europa- Baukasten präsentiert Mali Cayetano. Sehr sehenswert: Edita Tumakovás Träume zu Michail Bulgakows "Der Meister und Margarita". Gleich eine ganze Buch-Installation liefert Marc Frieses originelles "Requiem für das Erdölzeitalter" aus Schriftrollen, rostigem Erdölfass und Rohren, ergänzt durch Zeichnungen abgewrackter Ölpotentaten. Ein erklärendes Beiblatt zur Schau wäre hilfreich. Bis 22.12.,tägl. 8-18 Uhr, 21.12., 8-16 Uhr, 22.12., 8-12 Uhr